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Medizinische Fakultät

Hoffnungsträger Vitamin C enttäuscht in großer Studie

16.06.2026

Hochdosiertes Vitamin C verbessert bei Verbrennungsopfern weder die Organfunktionen noch die Überlebensrate. Womöglich schadet es sogar, wie eine neue Studie zeigt.

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Für das Projektmanagement und die Koordination der deutschen Zentren in der VICToRY-Studie waren neben Studienleiter und Erstautor Professor Christian Stoppe auch Dr. Ellen Dresen, Professor Patrick Meybohm und Carina Güttler vom Universitätsklinikum Würzburg verantwortlich. (Bild: Universitätsklinikum Würzburg)

Erleidet ein Mensch schwere Verbrennungen, löst das eine massive Entzündungsreaktion sowie oxidativen Stress aus. Der Körper bekommt es dann mit übermäßig vielen aggressiven Sauerstoffformen zu tun, die seine Zellen schädigen können. Vitamin C gilt als starkes Gegenmittel, als sogenanntes Antioxidans. Sein Einsatz bei der Behandlung von Verbrennungsopfern wird daher seit Jahrzehnten in der Medizin diskutiert.

Kleinere Studien hatten bisher positive Effekte gezeigt, etwa einen geringeren Flüssigkeitsbedarf. Aufgrund dieser vielversprechenden, aber unsicheren Datenlage empfehlen einige internationale Therapie-Leitlinien die Gabe von hochdosiertem Vitamin C. Allerdings fehlen hierfür wissenschaftlich gesicherte Nachweise aus hochqualitativen klinischen Studien.

Publikation im Journal of the American Medical Association

„Die Leitlinien sollten dringend überdacht werden“, sagt Professor Christian Stoppe, Oberarzt an der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des Universitätsklinikums Würzburg (UKW).

Gemeinsam mit der Queen’s University in Kingston (Kanada) hat sein Würzburger Team in der internationalen, randomisierten klinischen Studie VICToRY (VItamin C in Thermal injuRY) den Einsatz von hochdosiertem Vitamin C bei schweren Verbrennungen untersucht.

Die Ergebnisse wurden am 10. Juni 2026 auf der Tagung „Critical Care Reviews Meeting“ in Belfast vorgestellt und zeitgleich im renommierten Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlicht. Sie sind eindeutig: Hochdosiertes intravenös verabreichtes Vitamin C verbessert das Überleben oder die Organfunktionen bei schwer verbrannten Patientinnen und Patienten nicht. Vielmehr könnte es sogar schädlich sein.

Behandlung nach dem Zufallsprinzip

Die Studie betrachtet 238 Erwachsene mit schweren Verbrennungen von mindestens einem Fünftel der Haut. Die Betroffenen wurden in 24 Zentren in Nord-, Zentral- und Südamerika, Europa und Asien nach dem Zufallsprinzip behandelt – entweder mit hochdosiertem intravenösem Vitamin C (50 mg pro Kilogramm Körpergewicht), das über 96 Stunden hinweg alle sechs Stunden verabreicht wurde, oder mit einem Placebo.

Die Behandlung mit Vitamin C zeigte keine Vorteile. Im Gegenteil: Die Sterblichkeit in 28 Tagen und anhaltende Organfehlfunktionen, die beispielsweise Beatmung, Nierenersatztherapie oder Kreislaufunterstützung nötig machten, traten bei den Personen, die Vitamin C erhielten, sogar häufiger auf als bei denen, die ein Placebo erhielten (40,8 gegenüber 29,7 Prozent).

Sterberisiko unter Vitamin C mehr als doppelt so hoch

Besonders auffällig war die Sterblichkeit innerhalb der ersten 28 Tage: In der Vitamin-C-Gruppe starben 15 Prozent der Patienten, in der Placebogruppe waren es nur 7,6 Prozent. Das Sterberisiko war somit unter Vitamin C mehr als doppelt so hoch.

Auch die Sterblichkeit während des gesamten Krankenhausaufenthalts war in der Vitamin-C-Gruppe höher (23,3 gegenüber 16,1 Prozent). Zudem mussten Patienten, die Vitamin C erhielten, häufiger mit einer Nierenersatztherapie, etwa einer Dialyse, behandelt werden (10,8 gegenüber 5,9 Prozent). Dieser Unterschied könnte allerdings auch zufällig zustande gekommen sein, da er statistisch nicht eindeutig abgesichert war.

Studie wurde nach Zwischenanalyse abgebrochen

Nach der Zwischenanalyse wurde die Studie vorzeitig beendet, da die Ergebnisse darauf hindeuteten, dass die Behandlung keinen Nutzen bringt und mit Schäden verbunden sein könnte. Ein unabhängiges Überwachungsgremium empfahl daraufhin, die Studie abzubrechen.

„Unsere Studie liefert erstmals hochwertige, randomisierte Evidenz zu hochdosiertem Vitamin C bei schweren Verbrennungen. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die Therapie ist nicht wirksam und möglicherweise sogar schädlich. Sie sollte daher nicht routinemäßig eingesetzt werden“, sagt Christian Stoppe.

Dem Professor zufolge passen die Ergebnisse zu der kürzlich publizierten LOVIT-Studie bei septischem Schock, die mit dem gleichen Vitamin-C-Schema ebenfalls Hinweise auf Schäden erbrachte. Damit liegen nun zwei große, randomisierte Studien aus unterschiedlichen intensivmedizinischen Bereichen vor, die den Einsatz von hochdosiertem Vitamin C infrage stellen. Internationale Leitlinien sollten laut Stoppe diese neuen Erkenntnisse dringend berücksichtigen.

Begrenzte Ressourcen auf wirksame Maßnahmen lenken

„Angesichts weltweit steigender regulatorischer Anforderungen und begrenzter Ressourcen ist es umso wichtiger, dass eine so große internationale Studie endlich Klarheit schafft. Wir hoffen, dass unsere Arbeit dazu beiträgt, Patientinnen und Patienten vor einer unwirksamen und potenziell gefährlichen Therapie zu schützen und die begrenzten Ressourcen auf nachweislich wirksame Maßnahmen zu lenken“, erklärt Professor Patrick Meybohm, Direktor der Klinik für Anästhesiologie.

Zukünftig sollten internationale Kooperationen und Forschungsinfrastrukturen weiter ausgebaut sowie gemeinsame Studienplattformen etabliert werden, um die hochwertige klinische Forschung zu stärken. Gleichzeitig wird ein personalisierter Ansatz verfolgt. Er soll eine gezielte Identifikation von Patientinnen und Patienten ermöglichen, die von einer spezifischen Therapie profitieren.

Große internationale Zusammenarbeit

Die VICToRY-Studie wurde im Military Burn Research Program des US‑Verteidigungsministeriums gefördert, unterstützt durch die Lotte & John Hecht Memorial Foundation (Kanada) und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG, STO1099/10-1).

Kooperationspartner waren die Queen’s University, Kingston (Kanada), die U.S. Army sowie mehr als 20 weitere internationale Zentren. Für das Projektmanagement und die Koordination der deutschen Zentren waren neben Professor Christian Stoppe auch Dr. Ellen Dresen, Professor Patrick Meybohm und Carina Güttler vom UKW verantwortlich.


Publikation

Stoppe C, Hill A, Cancio LC, et al. High‑Dose Intravenous Vitamin C and Mortality and Organ Dysfunction in Severe Burn Injury: The VICToRY Randomized Clinical Trial. JAMA. 2026. DOI: 10.1001/jama.2026.10616

Von Pressestelle Universitätsklinikum Würzburg

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