English Intern
Medizinische Fakultät

Forschungsschwerpunkte

Die Forschungsaktivitäten der Medizinischen Fakultät konzentrieren sich auf fünf zentrale Schwerpunkte. In diese sind alle vorklinischen und klinisch-theoretischen Institute sowie sämtliche Kliniken eingebunden.

Infektion und Immunität

Krankenhauskeime, Resistenzen, neue Krankheitserreger: Infektionskrankheiten sind weltweit noch immer eine Herausforderung. Was Keime gefährlich macht, wodurch sie resistent werden, wie sich der gesunde Körper dagegen wehrt und wo neue Behandlungsansätze liegen könnten – all das wird an der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg erforscht. Dabei untersuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowohl Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten, als auch den infizierten Organismus und wie dessen Immunsystem sich gegen Krankheitserreger zur Wehr setzt. Es geht um Grundlagenforschung, die mögliche spätere Anwendungen und aktuelle Themen wie etwa Resistenzbildung und Krankenhauskeime fest im Blick hat. Eine Besonderheit ist die enge Zusammenarbeit verschiedener Fächer und Fakultäten, die insbesondere im Zentrum für Infektionsforschung (ZINF) gelebt wird. Hier beleuchten Forscherinnen und Forscher aus den Bereichen Medizin, Biologie, Chemie und Pharmazie von allen Seiten, wie Erreger und Wirt miteinander in Wechselwirkung stehen, und erhalten dabei neue Impulse für ihre Arbeit.

Schwerpunktmäßig will man die Molekularbiologie – also die Bausteine der Zellen, ihre Funktionen, Wirkungen und Wechselwirkungen – im Detail verstehen. Wodurch werden Keime für Menschen und Tiere gefährlich? Wie entwickeln sie Resistenzen gegen Medikamente? Wie wehrt sich der infizierte Organismus gegen die Eindringlinge? Durch welche Modelle lassen sich die Vorgänge im menschlichen Körper im Labor simulieren? Und welche Substanzen könnten als neue Medikamente infrage kommen?

Eine besondere Rolle kommt bei diesen Fragestellungen der RNA zu. Diese Molekülklasse ist ein wichtiges Bindeglied der Zelle beim Zusammensetzen von Eiweißmolekülen nach ihrem in den Genen festgeschriebenen Bauplan. Nachdem die Bedeutung der RNA lange Zeit unterschätzt wurde, beginnt man ihre Rolle bei verschiedensten Zellprozessen in den Erregern und im menschlichen Körper heute neu zu verstehen. Würzburg nimmt auf diesem Gebiet eine Vorreiterrolle ein und entwickelt im engen Austausch zwischen Kliniken und Forschungszentren neue RNA-basierte Methoden zur Diagnostik und Bekämpfung von Infektionskrankheiten.

Herz-Kreislauf

Die Lebenserwartung steigt und mit ihr die Zahl der Herz- und Gefäßerkrankungen: Wenn sich in den Arterien Kalkablagerungen bilden und die Wände versteifen, drohen Bluthochdruck, Verschlüsse der Blutgefäße und damit schließlich auch der Herzinfarkt. Langfristig kann dies zu einer fortschreitenden Herzschwäche führen, unter der weltweit geschätzte 26 Millionen Menschen leiden. Gegen diese beiden zerstörerischen Prozesse gibt es noch keine Heilung. Erste verhaltene Erfolge weisen jedoch darauf hin, dass sich vielleicht irgendwann durch Eingriffe in den Stoffwechsel, Gentherapie oder mit künstlich gezüchteten Herzmuskelzellen das Blatt wenden könnte. Am besten allerdings wäre es, die Gefäßveränderungen auszubremsen, bevor Herz oder Hirn zu Schaden kommen.

Deshalb widmet sich die Herz-Kreislauf-Forschung der Universität Würzburg sowohl der Vorbeugung als auch der Heilung. Das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI), das in Würzburg ansässig ist,  und der Sonderforschungsbereich (SFB) 688 „Zell-Zell-Wechselwirkungen im kardiovaskulären System“ spannen dabei einen weiten Bogen: Im Fokus stehen nicht nur die kleinen und kleinsten Bausteine des Organismus, die Gene und Eiweiße, sondern es werden auch Verfahren zur molekularen und zellulären Bildgebung entwickelt, die diese Mikroprozesse erst sichtbar machen. Einen großen Raum nimmt die Therapie- und Versorgungsforschung ein, um Behandlungskonzepte am Menschen unter Berücksichtigung von ganzheitlichen, psychologischen, ethischen und sozialmedizinischen Ansätzen stetig zu verbessern.

In beispiellosen multidisziplinären Projekten liefert die Universität Würzburg beeindruckende und weltweit beachtete Antworten, etwa, welche Wirkstoffe individuell am Patienten wirken, wie die Ausschaltung eines einzigen Enzyms (Gerinnungsfaktor XII) die Fließeigenschaften des Blutes verbessert und Gefäßverschlüsse ohne die Gefahr einer Blutung verhindert, oder, dass seelische Störungen bei Herzkranken einer ganz speziellen Behandlung bedürfen.

Der SFB 688 und das DZHI bündeln und vernetzen dabei die forscherischen Aktivitäten, auch nicht medizinischer Fachbereiche wie Chemie, Physik oder Biologie. Basierend auf der Grundlagenforschung der SFBs entwickelt das DZHI dann neue Therapieleitlinien und Versorgungsstrukturen. Insgesamt sind fünf Kliniken, zwölf Institute und Lehrstühle, drei interdisziplinäre Zentren sowie fünf weitere Einrichtungen in die Herz-Kreislauf-Forschung eingebunden und machen diese damit weltweit einzigartig.

Neurowissenschaften

Was passiert im Gehirn bei emotionalen und motorischen Krankheiten, wie sie bei Angststörungen und Depression sowie der Parkinson´schen und der Alzheimer´schen Erkrankung, oder bei Schlaganfall auftreten? Wie funktioniert das Nervensystem im gesunden Organismus, und was genau geschieht, wenn er krank wird? Diesen Fragen geht die Universität Würzburg im Schwerpunkt neurowissenschaftliche Forschung nach, der auf eine lange Tradition zurückblickt, wenn es darum geht, durch wechselseitig befruchtende Labor- und klinische Forschung Patienten möglichst schnell zu helfen. Ein enges Forschungsnetzwerk zwischen den einzelnen Kliniken und Instituten ermöglicht es, dass Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftler gemeinsam mit Ärztinnen und Ärzten an klinisch relevanten Fragestellungen arbeiten. Dabei können sie auf ein breites Spektrum neuester wissenschaftlicher Techniken zurückgreifen. Im besonderen Fokus der Forschung liegen Bewegungsstörungen wie Morbus Parkinson sowie Angsterkrankungen. Um das komplexe Zusammenspiel zwischen Emotionen und Motorik auf molekularer, zellulärer und systemischer Ebene im gesunden wie im erkrankten Gehirn aufzudecken, arbeiten viele unterschiedliche Disziplinen eng zusammen, Medizin, Psychologie, Biologie, Physik,Chemie und Informatik. So können über die Forschung zu Struktur-Wirkungsbeziehung von Signalmolekülen in Nervenzellkulturen neue Medikamente entdeckt und über Verhaltensanalysen an Fliegen- und Mausmodellen neue Therapien für Patienten mit Angst, Depression entwickelt werden. Neuartige Behandlungen wie die Tiefenhirnstimulation profitieren besonders von diesem engen Austausch und interdisziplinären Forschungsprogrammen.

Krebs, Wachstum und Differenzierung

Trotz Fortschritte in der Behandlung von Krebserkrankungen zählen Tumoren immer noch immer zu den häufigsten Todesursachen. Unter dem Dach des an der Universität und dem Uniklinikum Würzburg angesiedelten Comprehensive Cancer Center Mainfranken (CCC MF) arbeiten Forscherinnen und Forscher im experimentellen und klinischen Bereich eng zusammen, um die Grundlagen der Krebsentstehung besser zu verstehen, neue Therapien zu entwickeln und die Versorgung zu verbessern. Das CCC MF ist eines von 13 von der Deutschen Krebshilfe ausgezeichneten onkologischen Spitzenzentren in Deutschland. Gemeinsam mit den an der Krebs-Forschung und Behandlung beteiligten Instituten und Kliniken hat das CCC MF in den letzten Jahren eine moderne und leistungsfähige Infrastruktur für die klinische Forschung aufgebaut und bietet so einen idealen Rahmen, um neue Forschungsansätze bis zur klinische Anwendung zu entwickeln.

Die Immuntherapie von Tumorerkrankungen stellt in Würzburg einen international sichtbaren Forschungsschwerpunkt dar. Hier werden neue Medikamente (Antikörper und genetische Modifikationen) entwickelt, die körpereigene Immunzellen so verändern, dass diese neu gegen den Tumor ausgerichtet werden und diesen so gezielt zerstören können. Einige dieser Ansätze sind bereits erfolgreich zur klinischen Anwendung gekommen (z. B. bei Leukämien, Lymphknotenkrebs und multiples Myelom). Ein weiterer immuntherapeutischer Schwerpunkt ist die Weiterentwicklung von Stammzelltransplantationen, die bei bestimmten Formen von Blutkrebs eingesetzt werden. Hierzu gehört auch die Verbesserung von Therapien lebensbedrohlicher Infektionen, die in Zusammenhang mit einer Stammzelltransplantation auftreten können.

Krebszellen haben einen im Vergleich zur normalen Zelle veränderten Stoffwechsel, um so das unkontrollierte Zellwachstum voran zu treiben. Diese Veränderungen will man entschlüsseln, um Ansatzpunkte für neue Medikamente zu finden. Deshalb werden entscheidende Regulatoren des Zellwachstums, wie beispielsweise die MYC-Gene, untersucht. Eine neue vielversprechende Entwicklung ist in diesem Feld die personalisierte Medizin – also maßgeschneiderte Therapien, die auf einer präzisen Analyse des Tumor-Genoms beruhen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Radio-Onkologie. Hier werden neue besonders präzise und nebenwirkungsarme Methoden der Strahlentherapie sowie der molekularen bildgebenden Diagnostik entwickelt.

Biomaterialien und Regenerative Medizin
Darstellung des Zusammenhangs der Forschungs- und Translationsstrukturen im Bereich Regenerative Medizin und Biofabrikation
Darstellung des Zusammenhangs der Forschungs- und Translationsstrukturen im Bereich Regenerative Medizin und Biofabrikation

Aus dem Muskuloskelettalen Centrum Würzburg (MCW) sind in den letzten Jahren mehrere große nationale und internationale Forschungsförderungen im Bereich der Regenerativen Medizin und der Biomaterialforschung hervorgegangen. Dadurch ist Würzburg in diesem Bereich zu einem international sichtbaren Zentrum geworden. In jüngster Vergangenheit wurden die Forschungsaktivitäten durch strukturelle Maßnahmen ergänzt. Zum einen wurde an der Universität Würzburg die erste Professur für Biofabrikation in Deutschland geschaffen. Weiterhin wurde das Fraunhofer Translationszentrum Regenerative Therapien für Krebs- und Muskuloskelettale Erkrankungen als gemeinsame Einrichtung der Fraunhofer Gesellschaft und des Universitätsklinikums Würzburg gegründet, um die Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Klinik zu unterstützen und zu beschleunigen. Neueste Entwicklung ist die Einrichtung eines sogenannten Key-Laboratories Polymere in der Medizin im Rahmen des Bayerischen Polymerinstitutes. Hier liegt der Schwerpunkt auf Forschungen zu polymerbasierten Biomaterialien, vor allem für die Biofabrikation. Sowohl das Translationszentrum als auch das Bayerische Polymerinstitut wurden durch finanzielle Unterstützung des Landes Bayern realisiert. Abbildung 1 zeigt schematisch die Zusammenarbeit und den Zusammenhang der drei Einheiten, die im Folgenden im Detail vorgestellt werden.

Forschung im Überblick

Kontakt

Medizinische Fakultät
Josef-Schneider-Straße 2
97080 Würzburg

E-Mail

Suche Ansprechpartner

Campus Medizin Pleicherwall 2 Hubland Süd, Geb. B1 Brettreichstraße 11 Oberer Neubergweg 10a