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Medizinische Fakultät

Stauseen als Archive ihrer Umwelt

02.06.2026

Sedimente in Stauseen sind regelrechte Zeitkapseln: Sie zeigen, wie belastet die Umgebung mit Schadstoffen war und noch ist. Würzburger Forschende untersuchen nun, wie die Lage in fünf Stauseen in der Eifel aussieht.

Der Urfttalstausee war bereits in einem Vorgängerprojekt im Fokus der Forschenden. Er ist bereits über 120 Jahre alt und somit der älteste Stausee der Eifel..
Der Urfttalstausee war bereits in einem Vorgängerprojekt im Fokus der Forschenden. Er ist über 120 Jahre alt und somit der älteste Stausee der Eifel. (Bild: Georg Stauch / Universität Würzburg)

Stauseen speichern nicht nur Wasser, sie archivieren auch die Schadstoff- und Schwermetallbelastung ihrer näheren Umgebung – und das ab Inbetriebnahme. Sedimente in den Stauseen ermöglichen somit einen Blick in die Vergangenheit: „Fließt Sediment mit der Strömung flussabwärts, setzt es sich im Stausee ab. Was dort hineinkommt, kommt in den meisten Fällen auch nicht mehr hinaus“, so Professor Georg Stauch.

Der Inhaber des Lehrstuhls für Geomorphologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) leitet mit Alexander Esch vom Wasserverband Eifel-Rur seit 1. Juni 2026 ein neues Projekt, das fünf Stauseen als Landschaftsarchive genauer in den Blick nimmt. Dafür stehen den Forschenden mehr als 310.000 Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft für eine Laufzeit von drei Jahren zur Verfügung.

Zentimetergenaue Messungen

Für ihre Untersuchungen werfen die Forschenden einen Blick in den Seeboden: Die Bohrungen nehmen sie im Herbst und Sommer vor, da dann die Wasserstände am niedrigsten sind. „Wir werden zudem im engen Austausch mit den Betreibern sein. Diese können den Pegel gegebenenfalls manuell weiter absenken“, sagt Clara Bormann, Projektmitarbeiterin am JMU-Lehrstuhl.

Warum der Wasserstand entscheidend ist: Das Team bohrt händisch am trockengelegten Grund der Stauseen. Die Bohrkerne können bis zu acht Meter Länge erreichen. „In einem Kernscanner der Universität Köln analysieren wir zentimetergenau die Schichten in hoher Auflösung und erhalten so Aufschluss über die Schadstoff- und Schwermetallbelastung“, erklärt Professor Stauch.

Daneben sollen in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden die Menge und die unterschiedlichen Arten an Mikroplastik in den Sedimenten untersucht werden. Schwerpunkt der Untersuchungen sind die Umweltveränderungen in den letzten 100 Jahren. Die Kerne werden mit Caesium-137 datiert, einem fast ausschließlich von Menschen produziertem Isotop. Hinzu kommen C14-Datierungen (Radiokarbonmethode).

Zusätzliche Recherchen in Dorfchroniken helfen, ein gefundenes oder nicht mehr vorhandenes Element einem historischen Ereignis zuzuordnen. „In einem Vorgängerprojekt fanden wir eine Schicht Mikroplastik, die wir auf einen Brand eines nahegelegenen Betriebes zurückführen konnten“, so der JMU-Professor.

Aber auch positive Effekte wie ein Rückgang der Schadstoffwerte aufgrund einer konsequenteren Umweltgesetzgebung ab den 1980ern und strengeren Umweltauflagen für Betriebe waren laut Stauch erkennbar. Ebenso ließen sich regionale Trends und Einzelereignisse wie beispielsweise die Schließung eines naheliegenden Hüttenwerks erkennen. Dementsprechend interessiert sich das Team auch, wie stark die Nähe eines Stausees zur Natur oder zu Siedlungen die Belastungswerte beeinflusst.

Nicht nur ein Blick in die Vergangenheit

Ihren Blick richten die Forschenden auch in die Gegenwart: „Mit einem terrestrischen Laserscanner erstellen wir 3D-Modelle der Stauseen, die wir mit jedem weiteren Einsatz erweitern“, so Bormann. Das erlaube zu messen, wie viel Sediment sich während der Projektlaufzeit ansammele, auch in Hinblick auf potenziell auftretende Flutereignisse durch Starkregen.

„Das Projekt soll regionale Trends in der Schadstoff- und Schwermetallbelastung deutlich machen und zeigen, wie hilfreich Umweltgesetzgebung sein kann, um die Natur wirklich zu schützen. Wir können dafür messbare Beweise liefern“, so Stauch. Nach Ende der Laufzeit soll das Projekt auf weitere Regionen ausgeweitet werden.

Weitere Informationen zu dem Projekt finden sich auf der Projektwebseite am Lehrstuhl für Geomorphologie.

Kontakt

Prof. Dr. Georg Stauch, Leiter des Lehrstuhls für Geomorphologie, Institut für Geographie und Geologie, georg.stauch@uni-wuerzburg.de

Zur Webseite des Lehrstuhls

Zum Wasserverband Eifel-Rur

Von Martin Brandstätter

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