Forschung verbindet Würzburg und Indien
13.01.2026Im Herbst 2025 waren Nachwuchsforschende aus Indien zu Gast an der Universität Würzburg, im Dezember trat eine Würzburger Delegation den Gegenbesuch an. Das Institut für Anatomie hatte den Austausch organisiert.
Die Nachfrage war deutlich größer als das Angebot: „Bei uns waren 32 Anträge für zehn Plätze eingegangen“, sagt Srikanth Karnati. Karnati ist Professor am Institut für Anatomie und Zellbiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU); in dieser Funktion organisiert er seit mehreren Jahren Kooperationsprojekte zwischen der JMU und Forschungseinrichtungen in Indien. Eines dieser Projekte war ein Austausch von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern Ende 2025.
Vom 8. bis 12. Dezember 2025 besuchte dabei eine Delegation aus Würzburg das Indian Institute of Technology (IIT) Indore. Im Mittelpunkt des Besuchs stand ein Workshop zu biomedizinischen Gerätetechnologien, also zu technischen Verfahren und Instrumenten, die in der medizinischen Forschung und Diagnostik eingesetzt werden. Zehn ausgewählte Promovierende der JMU, des Universitätsklinikums und des Fraunhofer-Instituts nahmen daran teil.
Das IIT Indore gehört zur Gruppe der staatlichen Indian Institutes of Technology, die zu den führenden technischen Hochschulen Indiens zählen. Die Universität wurde 2009 gegründet und ist auf naturwissenschaftliche, technische und ingenieurwissenschaftliche Forschung und Lehre ausgerichtet. Aktuell sind dort rund 2.300 Studierende eingeschrieben.
Praktische Anwendungen im Mittelpunkt
Passend zur Ausrichtung des IITs stand der Workshop unter der Überschrift „Hands-on Integrated Device Technologies“ und legte den Schwerpunkt auf praktische Anwendungen. „Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten dabei unter anderem mit Ultraschallverfahren, lichtgestützten Herstellungsprozessen für biologische Modelle sowie Messmethoden zur Untersuchung elektrischer Signale in Zellen arbeiten“, erklärt Karnati.
Ziel sei es gewesen, theoretisches Wissen durch konkrete praktische Erfahrungen zu ergänzen und den Austausch mit einem indischen Forschungsstandort zu fördern. Das IIT sei dafür der ideale Ort: „Das IIT ist Indiens führende Kaderschmiede im Bereich der Ingenieurwissenschaften“, sagt Srikanth Karnati. Technologien, die im Silicon Valley zum Einsatz kommen, hätten häufig dort ihren Ursprung. Speziell im Bereich des Biomedical Engineerings sei das IIT weltweit an der Spitze.
Eine indische Delegation zu Gast in Würzburg
Bereits im Herbst 2025 hatte der erste Teil des Austauschs in Würzburg stattgefunden: Vom 29. September bis 3. Oktober besuchten zehn Doktorandinnen und Doktoranden des IIT Indore die Universität Würzburg. Sie nahmen an einem gemeinsamen Workshop teil, der praktische Einblicke in die Arbeit mit sogenannten Organoiden – im Labor gezüchtete, vereinfachte Modelle von Geweben – sowie in moderne bildgebende Verfahren vermittelte.
Das Programm umfasste zudem Besuche zentraler Forschungseinrichtungen in Würzburg, darunter das Biozentrum und das Fraunhofer-Institut. Neben den wissenschaftlichen Inhalten lernten die Gäste auch die Stadt Würzburg kennen, einschließlich ihrer Geschichte und kulturellen Bedeutung. Der Aufenthalt diente damit sowohl dem fachlichen Austausch als auch dem gegenseitigen Kennenlernen.
Das SPARC-GIANT-Programm als Rahmen
Der Austausch ist Teil des deutsch-indischen Förderprogramms SPARC-GIANT, das vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gemeinsam mit indischen Partnern umgesetzt wird. SPARC steht für „Scheme for Promotion of Academic Research and Collaboration“. Ziel des Programms ist es, die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen beider Länder zu stärken und Nachwuchsforschende frühzeitig international zu vernetzen.
Das hat in diesem Fall offensichtlich geklappt: „Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der beiden Workshops haben nicht nur intensiv zusammengearbeitet, sondern vielfach auch Telefonnummern ausgetauscht“, hat Srikanth Karnati beobachtet. Ein Vorteil des Programms: Für die Teilnehmenden fallen keine Kosten an. Die Reise- und Aufenthaltskosten werden vollständig über das Förderprogramm übernommen. Was Karnati besonders freut: Vor Kurzem hat er erfahren, dass das SPARC-GIANT-Projekt bis März 2027 verlängert wurde.
Indien steht an der JMU im Fokus
Indien steht auch über dieses Programm hinaus an der Universität Würzburg im Fokus – beispielsweise im 2025 gegründeten India Competence Centre of the University of Würzburg (ICCUW). Das neue Kompetenzzentrum dient als zentrale Anlaufstelle für alle Aktivitäten der JMU rund um Indien. Zu seinen wesentlichen Aufgaben gehört es, den interdisziplinären Austausch in der Wissenschaft sowie die wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Beziehungen zwischen deutschen und indischen Forschungspartnern zu fördern.
Kontakt
Prof. Dr. Srikanth Karnati, T: +49 931 31-81522, srikanth.karnati@uni-wuerzburg.de
