Souveräne KI aus Europa: Erste Einblicke in neues Modell
23.06.2026Die Uni Würzburg ist an dem Projekt Soofi beteiligt, das mit „Soofi S“ ein neues KI-Modell vorstellt. Es bietet europäischen Unternehmen und Behörden eine unabhängige und transparente Alternative zu außereuropäischen Anbietern.
Das Soofi-Konsortium hat erste Ergebnisse zur Leistungsfähigkeit von „Soofi S“ präsentiert, dem ersten Baustein einer neuen europäischen Familie von Künstlicher Intelligenz (KI). Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Vorhaben hat das Ziel, leistungsfähige KI-Modelle auf europäischer Infrastruktur aufzubauen souveräne europäische Alternativen zu KI-Technologien aus den USA und China bereitzustellen.
Damit soll für Firmen, Verwaltungen, Start-ups sowie Forscherinnen und Forscher eine nachvollziehbare und sichere Alternative zu Angeboten aus Übersee geschaffen werden. Mit dieser ersten Phase des Projekts wird ein Modell eingeführt, das Organisationen flexibel auf eigenen Systemen betreiben können.
Typische Einsatzfelder sind die Steuerung von industriellen Abläufen, die Auswertung von umfangreichen Dokumenten oder die Unterstützung beim Schreiben von Programmiercode. Weil das System mit einer großen Menge an Texten gelernt hat, arbeitet es sehr schnell und verbraucht gleichzeitig wenig Energie. Der Fokus liegt dabei besonders auf der deutschen und englischen Sprache.
Die Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) ist an dem Projekt beteiligt. Ein Team um Professor Andreas Hotho, Leiter des Lehrstuhls für Informatik X (Data Science) und des CAIDAS, hat in der ersten Projektphase beim anfänglichen Pre-Training und bei der anschließenden Spezialisierung der Modelle mitgewirkt. „Ein besonderer Schwerpunkt unserer Arbeit lag auf der Qualität und Leistungsfähigkeit der Modelle in der deutschen Sprache“, so Hotho. Ebenfalls involviert ist das Team von JMU-Professor Fotis Janidis, das an den speziellen Daten für das Training und die Evaluation der logischen Schlussfolgerungen der KI arbeitet.
Unabhängigkeit für die europäische Wirtschaft
„Wer die Basismodelle kontrolliert, kontrolliert einen zentralen Teil der künftigen digitalen Wertschöpfung und erhöht seine Souveränität und Resilienz. Mit Soofi schaffen wir eine offene Grundlage, auf der Unternehmen, Mittelstand und öffentlicher Sektor transparente KI-Anwendungen auf Basis ihrer eigenen Daten entwickeln können, ohne sich dauerhaft von einzelnen außereuropäischen Modellen abhängig zu machen", sagt Jörg Bienert, Geschäftsführer Center for Sovereign AI, KI-Bundesverband.
Ein wesentlicher Aspekt des Projekts ist die Offenlegung der genauen Funktionsweise. Die beteiligten Partnerinnen und Partner stellen nicht nur das fertige Modell zur Verfügung, sondern veröffentlichen auch die Dokumentation über die genutzten Trainingsmethoden und Datenwege. Dies macht die Technologie für Behörden und Betriebe überprüfbar und anpassbar.
Maßgeschneidert für industrielle Abläufe
Die technische Umsetzung erfolgt auf einer Datenwolke in München. In vergleichenden Leistungstests zeigt sich bereits, dass das europäische Modell mit internationalen Systemen ähnlicher Größenordnung problemlos mithalten kann.
„Soofi S ist nicht als weiteres allgemeines Chatmodell gedacht, sondern als technische Grundlage für industrielle KI. Entscheidend ist, dass Soofi S nicht nur im Benchmark überzeugt, sondern im produktiven Betrieb zuverlässig, effizient und nachvollziehbar eingesetzt werden kann", sagt Nicolas Flores-Herr, technischer Projektleiter Soofi und Teamlead am Fraunhofer IAIS.
Starke Partner aus Wissenschaft und Forschung
Hinter dem Konsortium steht ein Netzwerk aus deutschen Forschungseinrichtungen, Universitäten und KI-Unternehmen. Koordiniert wird die Initiative vom KI-Bundesverband. Zu den beteiligten Institutionen gehört auch die Universität Würzburg mit dem Forschungszentrum CAIDAS, vertreten durch Professor Andreas Hotho, Professor Fotis Janidis, Jan Pfister und Julia Wunderle. Ebenfalls beteiligt sind Institute der Fraunhofer-Gesellschaft, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz sowie weitere Hochschulen und spezialisierte Firmen.
Aktuell wird das System gemeinsam mit der Industrie in der Praxis erprobt, um wertvolle Erfahrungen für die Weiterentwicklung direkt aus dem Alltag der Wirtschaft zu sammeln. Interessierte Unternehmen und Organisationen können für eine Erprobung Kontakt aufnehmen.
Kontakt
Prof. Dr. Andreas Hotho, Leiter des Lehrstuhls für Informatik X (Data Science), T +49 931 31-88453, andreas.hotho@uni-wuerzburg.de
Lara Lawniczak, KI-Bundesverband), T +49 1520 5370752, lara.lawniczak@ki-verband.de
