Schwache Hände – ein Warnsignal
24.03.2026Hinterlassen Depressionen bleibende körperliche Spuren? Das legt eine Studie der Universitätsmedizin nahe. Sie zeigt, dass nach überstandener Depression die Kraft der Hände vermindert bleibt.
Die Kraft des Händedrucks messen: Das ist in der Medizin ein einfaches und kostengünstiges Verfahren zur Bewertung der Muskelkraft. Inzwischen gilt die Handkraft sogar als verlässlicher Biomarker für die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit – und zunehmend auch für die psychische Gesundheit.
„Die Handkraft wurde sowohl bei Schizophrenie als auch bei Depressionen als vermindert beobachtet“, sagt Professor Sebastian Walther.
Der Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Uniklinikum Würzburg (UKW) wollte es genauer wissen. Gibt es Unterschiede? Wie sieht die körperliche Fitness nach einem Krankheitsschub aus? Schließlich verlaufen psychische Erkrankungen meistens in Episoden. Nach akuten Krankheitsphasen sollten die Betroffenen eigentlich wieder an ihre frühere Leistungsfähigkeit anknüpfen können.
Publikation in JAMA Psychiatry
Sebastian Walther und ein internationales Team untersuchten in einer Studie mit 533 Personen die Handkraft bei psychisch gesunden Erwachsenen, Menschen mit Schizophrenie, Menschen in depressiven Krankheitsphasen sowie bei Personen mit überstandener Depression.
Mit elektronischen Manometern wurde in mehreren Versuchen die Kraft beider Hände gemessen. Das Studienteam analysierte dann die Werte für die jeweils dominante Hand. Die Ergebnisse sind in der renommierten Fachzeitschrift JAMA Psychiatry veröffentlicht.
Ein Resultat widersprach den Erwartungen
Das erste Ergebnis überraschte nicht: Alle Patientinnen und Patienten hatten weniger Kraft in den Händen als die gesunden Kontrollgruppen. Es gab jedoch Unterschiede zwischen den einzelnen Erkrankungen. Personen mit Schizophrenie hatten eine höhere Handkraft als Personen mit Depressionen. Dabei unterschieden sich die aktuell Depressiven nicht von den genesenen.
„Das hat uns sehr überrascht“, sagt Sebastian Walther. „Wir hatten erwartet, dass Menschen mit einer überstandenen Depression wieder eine normale Handkraft aufweisen.“
Der Psychiater bewertet es als beunruhigend, dass sich die Handkraft bei Menschen nach einer Depression nicht erholt. Schließlich galt die Handkraft in früheren Studien an der Allgemeinbevölkerung als guter Marker für Fitness und Gesundheit.
Was als nächstes untersucht werden soll
„Weitere Studien müssen nun klären, ob eine niedrige Handkraft trotz überstandener Depression auf ein echtes Defizit in der Fitness oder lediglich auf fehlende motorische Kontrolle zurückzuführen ist“, sagt Sebastian Walther.
In die aktuelle Analyse sind Daten mehrerer Studien der Arbeitsgruppen von Sebastian Walther aus Bern und Chicago eingeflossen, die vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und dem National Institute of Health (NIH) gefördert waren. In allen Studien wurde die identische Methodik verwendet.
Publikation
Transdiagnostic Patterns of Grip Strength in Schizophrenia, Current Depression, and Remitted Depression. JAMA Psychiatry. 18. März 2026, DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2026.0144
