Softwareprojekte für Gesellschaft und Arbeitswelt
21.07.2026Wie wird Deutschland digital souveräner? Fast 40 Studierende verschiedener Masterstudiengänge stellten zum Semesterende ihre innovativen Projektergebnisse des Startup-Wettbewerbs „Projektiade 2026“ vor.
Digital, innovativ und erfolgreich – so sollten sie sein, die Unternehmen, die Studierende der Universität Würzburg im Rahmen der Lehrveranstaltung „Professionelles Projektmanagement in der Praxis“ gründen. Angeleitet werden sie dabei von Informatikprofessor Harald Wehnes.
Seit über zwei Jahrzehnten bildet die öffentliche Abschlussveranstaltung den Höhepunkt dieser Veranstaltung, die in diesem Jahr am 13. Juli stattgefunden hat. Die Projektteams zeigten dabei eindrucksvoll, welche hervorragenden Leistungen mit modernen Projektmanagementmethoden und großem Engagement möglich sind.
In interdisziplinären Fünfer- bis Siebenerteams realisierten sie zukunftsträchtige Produkte und Services. Ein besonderer Schwerpunkt war in diesem Jahr das Thema „Digitale Souveränität“. Die Studierenden stellten sich die Frage, wie Abhängigkeiten insbesondere von den US-Monopolen vermieden werden können. Für die hochkarätig besetzte Jury war es nicht leicht, so Harald Wehnes, die besten Projekte auszuwählen und mit dem Projekta-Preis zu prämieren.
Projekta 2026: „Größter gesellschaftlicher Nutzen“
In Deutschland sind mehr als 600.000 Menschen von ME/CFS betroffen. Trotzdem gibt es nur wenig Sichtbarkeit für diese Krankheit in der Gesellschaft, und auch Ärzte wissen oftmals zu wenig darüber Bescheid. An dieser Stelle soll die App des Teams „Patientenakte“ helfen: Betroffene können ihr Befinden dokumentieren, ärztliche Dokumente hochladen und mit einer KI-Analyse einen einfachen Überblick erhalten. Dabei gibt es auch eine strukturierte Übersicht über den Krankheitsverlauf, die im Arztgespräch genutzt werden kann. So sollen Betroffene mehr Selbstkontrolle erhalten und Ärzten die Arbeit erleichtert werden.
Aus diesen Gründen wurde dem Team „Patientenakte“ bestehend aus Kerry Kramer, Melisha Schuller, Max Weißkopf, Aurelia Abou Shama, Simon Koch und Chiara Novakovic unter der Leitung von Dagmar Börsch und Jochen Stiepel der Projekta-Preis „Größter gesellschaftlicher Nutzen“ verliehen.
Projekta 2026: „Bestes KI Projekt“
Das Team von „mindocu“ mit den Teilnehmern Daniel Gruber, Kevin Vonnahme, Constantin Rappert, Omid Sedighi-Mornani, Korbinian Mireis und Muhammad Mahad entwickelte ein lokales KI-System zur strukturierten Aufbereitung und Analyse von Akten im Rahmen familienrechtlicher Begutachtungen. Besondere Features der Software sind eine Vorsortierung der Akten und ein KI-Chat-Feature, das Fragen zu einer bestimmten Datei beantworten kann. Die Gruppe legte großen Wert auf Datensouveränität und -sicherheit. Aus diesen Gründen erhielt das Team „mindocu“ unter der Leitung von Johannes Störlein und Oliver Gawron den Preis für „Bestes KI Projekt“.
Projekta 2026: „Beste Präsentation“
Die beste Präsentation kam dieses Jahr nach Bewertung der Jury vom Team „Funeral Compass“ mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Tim Grün, Felix Bäckmann, Sara Houfar, Asad Ahmed und Wali Ahmed und dem Auftraggeber Bestattungen Schöneberg. Die Webanwendung dieser Gruppe hilft bei der Planung von Bestattungen, da Zeitdruck, unübersichtliche Wahloptionen und intransparente Kosten diese oftmals erschweren. Bei der Live-Demo dieser Anwendung zeigte das Team, wie einfach man sich durch verschiedene Fragen „durchklicken“ kann, beispielsweise zur Auswahl der Musik während der Beerdigung, Dekoration oder Kleidung der zu bestattenden Person. Dieses Problem soll vor allem für räumlich verteilte Familien vereinfacht werden.
Projekta 2026: „Beste Live-Demo“
Das Team „DataDigit“ bestehend aus Hafsa Mateen (Product Owner), Faraz Kayani, M. Athar Azam, Sarmad Kayani, Talha Fayaz und Armughan Ahmed wurde für die beste Live-Demo ausgezeichnet. Die Anwendung hilft dabei, Daten aus Rechnungen, Kontoauszügen oder Belegen zu extrahieren und in einem Dashboard zu visualisieren. So können Anomalien einfacher entdeckt und Bezahlungen schnell getätigt werden. Ein zentraler Aspekt war der Datenschutz, der durch Verarbeitung der Daten im Browser und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gewährleistet ist.
Projekta 2026: „Innovativstes Produkt“
Für das innovativste Produkt wurde das Team „MindLeague“ bestehend aus Anne Bucher, Johannes Höfler, Yasmin Bah-Traore Djibril, Julius Arzberger, Otto Rößler, Nadine Noel und Lena Kutter unter der Leitung von Sophia Lick prämiert. Die von ihnen entwickelte KI-gestützte Plattform hat das Ziel, mentale Performance im Sport zu optimieren. Dabei sollen Sportlerinnen und Sportler in ihrem sportlichen Alltag unterstützt werden, beispielsweise durch das Tracken von Schlaf und Schritten oder die Durchführung individueller Übungen zur Konzentration. Die Gruppe konnte sogar schon erste Kooperationen mit Bundesliga-Sportmannschaften vermelden.
Publikumspreis und Projekta 2026
Als bestes Smart City Projekt wurde das Team „G-Audio“ mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Tabea Imhof, Selina Kässmann, Max von Trümbach, Kilian Hohl und Paula Schießl unter der Führung von Dr. Margret Jestremski prämiert. Um der sinkenden kulturellen Teilhabe entgegenzuwirken, will G-Audio Kultur und Musikgeschichte spontan und ortsbezogen erlebbar machen. Nutzerinnen und Nutzer können an verschiedenen Orten in Würzburg, beispielsweise der ehemaligen Synagoge oder dem Frankoniabrunnen, kurze Inhalte anhören – allerdings nur, wenn sie sich in einem bestimmten Radius darum herum befinden. Um das zu ermöglichen, greift die Web-App auf den Standort des Benutzers zu.
Projektteams mit Studierenden aus verschiedenen Masterstudiengängen
Die Teilnehmenden stammen aus verschiedenen Studiengängen, unter anderem Informatik, Management, Human-Computer-Interaction und Diversitätsmanagement. Bei der Bildung der Projektteams wurde hoher Wert auf Interdisziplinarität gelegt. In der Reflexion zeigte sich, dass dies ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Projekte war, da viele unterschiedliche Kompetenzen und Perspektiven die anspruchsvolle Projektarbeit bereicherten.
Hochkarätige Jury
Die Jury setzte sich zusammen aus Dr. Christian Andersen vom ZDI Mainfranken, Dr. David Hock von Infosim, Andreas Veber vom Servicezentrum Forschung und Technologietransfer der Uni Würzburg und Harald Wehnes vom Institut für Informatik.
Die Veranstaltung „Professionelles Projektmanagement in der Praxis“ vermittelt moderne agile, traditionelle und hybride Vorgehensweisen und zeigt, wie man sich daraus bei konkreten Projekten bedient. In interdisziplinären Teamprojekten wenden die Teilnehmenden die wichtigsten Methoden praxisnah auf digitale Unternehmensgründungsprojekte an und reflektieren ihre Erfahrungen intensiv.
Projektmanagement hat sich als beste Führungsmethode etabliert, um komplexe Herausforderungen in Industrie, Wirtschaft und Verwaltung strukturiert anzugehen und erfolgreich zu bewältigen. Inzwischen wird in Deutschland mehr als ein Drittel der Wirtschaftsleistung in Projekten erwirtschaftet. Modernes Projektmanagement ist der Schlüsselfaktor für erfolgreiche Projekte aller Art – insbesondere in Zeiten hoher Unsicherheit.
