Denkmäler, Erinnern und kultureller Austausch
12.05.2026In einem transatlantischen Projekt beschäftigen sich Studierende aus Würzburg und den USA mit Denkmälern und Erinnerungskultur. Jetzt wird die Online-Ausstellung „Monuments & Memory“ um zwei Beiträge erweitert.
Denkmäler treten in den unterschiedlichsten Formen auf. Manche sind von solch enormer Bekanntheit, dass sie problemlos stellvertretend für ganze Städte oder gar Länder stehen: etwa die Freiheitsstatue oder das Brandenburger Tor. Andere wiederum sind unscheinbar und werden auf den ersten Blick durchaus übersehen.
Sie alle aber sind Orte des Erinnerns und als solche nicht selten auch Gegenstand von Kontroversen. Eine solche Kontroverse legte den Grundstein für den Kurs „Monuments and Memory“. Damals ging es in den USA um den Umgang mit Denkmälern der Konföderierten aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg.
„Oft ist es doch leider so, dass die Menschen gar nicht mehr miteinander reden und Fronten sich verhärten. Deshalb ist der Dialog zwischen den Studierenden der zentrale Aspekt unseres Kurses“, sagt Timothy Johnson, Craig and Audrey Thorn Distinguished Professor of Religion at Flagler College in St. Augustine, Florida. Mit dem Flagler College und seit 2025 auch mit dem Hastings College (Nebraska) kooperiert die Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) im Rahmen des fächerübergreifenden Projekts.
Community-Based Remembering
Die Studentinnen Samantha Hohnhaus (JMU), Lilly Käting (JMU), Gianna Maniscalco (Flagler), Emma Morelli (Hastings) und Hannah Scholz (JMU) befassen sich in ihrem Teilprojekt mit Denkmälern und Erinnerungskultur, die die Allgemeinheit einbeziehen.
„Wir haben uns jeweils ein Beispiel aus den USA und eines aus Deutschland genauer angesehen“, erzählt Lilly Käting, „zum einen den AIDS Memorial Quilt, ein gemeinschaftliches Kunstwerk, das an Menschen erinnert, die an AIDS gestorben sind. Zum anderen haben wir uns mit dem Harburger Mahnmal gegen Faschismus beschäftigt.“
Der Aids Memorial Quilt wurde 1987 ins Leben gerufen. Zu dieser Zeit waren AIDS und daran erkrankte Personen häufig Opfer sozialer Ausgrenzung. Der Quilt besteht aus zusammengenähten Stoffstücken oder „Panels“, die Freunde und Verwandte Verstorbener angefertigt hatten. Inzwischen umfasst er über 40.000 Erinnerungsstücke. Aufgrund der enormen Größe wird er selten in Gänze ausgestellt; zuletzt war das 1996 in Washington, D.C. der Fall.
Die Errichtung des Mahnmals gegen Faschismus in Hamburg-Harburg wurde 1983 zum 50. Jahrestag der nationalsozialistischen Machtübernahme beschlossen. Auf einer Säule von zwölf Metern Höhe sammelten sich nach der Einweihung 1986 über sieben Jahre Nachrichten, Unterschriften und Notizen von Besuchenden. Die gleichzeitige Absenkung der Säule begleiteten Diskussionsrunden und Vorträge zum Nationalsozialismus.
Die Studierenden interviewten für ihre Arbeit die Künstlerin Esther Shalev-Gerz, die das Mahnmal in Hamburg-Harburg zusammen mit Jochen Gerz konzipiert hat, und auch das Team hinter dem AIDS Memorial Quilt. Sie sind sich sicher: „Wenn die Gesellschaft sich an der Entstehung von Denkmälern aktiv beteiligt, entsteht ein ganz anderer Bezug. Das Erinnern wird viel intensiver und persönlicher. Außerdem können solche Projekte viel Aufmerksamkeit erhalten.“
Reading City Halls
In einem weiteren Teilprojekt beschäftigen sich Anna Klein-Heßling (JMU), Clara Lüft (JMU), Rachel Wall (Flagler) und Xander Uhrmacher (Hastings) mit Regierungsgebäuden als Orten der Identität und Erinnerung. Ihr Beitrag „Reading City Halls: Architecture, Memory, and Civic Identity“ führt in die Geschichte der Rathäuser in Würzburg, Nürnberg, St. Augustine und Hastings ein. Ausstellungsbesucher werden auch eingeladen, über ihre eigenen Erfahrungen mit solchen Stätten zur reflektieren
Verständnis durch Zusammenarbeit
Neben den thematischen Inhalten hat der gemeinsame Kurs mit den US-Amerikanischen Hochschulen auch noch ein ganz grundlegendes Ziel: Interkulturellen Austausch. „In unserer Kollaboration geht es vor allem auch darum, die Studierenden in den Dialog zu bringen. Wir möchten einen Raum für transatlantischen Austausch schaffen“, so Professorin MaryAnn Snyder-Körber, die das Projekt zusammen mit Professor Helmut Flachenecker auf Würzburger Seite betreut.
Für die Studierenden des Kurses ging der Plan jedenfalls voll auf: „Es war toll, sich persönlich kennenzulernen, mehr über die Kultur der jeweiligen Länder zu lernen und gemeinsam Denkmäler und historische Orte zu erkunden“, freut sich Flagler-Studentin Gianna Maniscalco.
Die nächste Runde des transnationalen Projektseminars startet am 18. Mai.
Monuments & Memory als Praxisbeispiel für transformative Hochschullehre und Demokratiebildung
Kontakt
Prof. Dr. MaryAnn Snyder-Körber, American Cultural Studies, Tel: +49 931 31 86839, E-Mail: maryann.snyder-koerber@uni-wuerzburg.de
