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    Medizinische Fakultät

    Klinikumsgrenzen überwinden

    10.04.2018

    Eine Kooperation gibt angehenden Neurologen des Würzburger Juliusspitals die Gelegenheit, auf der Neurochirurgischen Intensivstation des Uniklinikums Würzburg zu arbeiten. Der Austausch sorgt für eine bessere Patientenversorgung.

    Gruppenbild der Ärzte: Ralf-Ingo Ernestus, Manuela Heuchler, Mathias Mäurer

    Assistenzärztin Manuela Heuchler schätzt den Perspektivwechsel, den sie durch den Austausch zwischen der Neurochirurgischen Klinik von Direktor Ralf-Ingo Ernestus (l.) und der Neurologie am Würzburger Juliusspital von Chefarzt Mathias Mäurer, erlebt. (Foto: Doris Krammel/UKW)

    Seit rund einem Jahr arbeiten Assistenzärztinnen und -ärzte der Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation des Juliusspitals an der Neurochirurgischen Klinik des Uniklinikums Würzburg (UKW). Basis dieses innovativen Projekts ist ein zum 1. April 2017 in Kraft getretener Kooperationsvertrag.

    Der temporäre Arbeitsplatzwechsel sorgt für ein noch besseres gegenseitiges Verständnis der jeweiligen Behandlungskonzepte sowie eine noch größere Kontinuität und Qualität in der Patientenversorgung. „Mit diesem ganz neuen Ansatz vertiefen und optimieren wir eine schon seit vielen Jahren bestehende, äußerst fruchtbare Zusammenarbeit unserer Kliniken“, sagt Professor Ralf-Ingo Ernestus, der Direktor der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik am UKW.

    Der Einsatz im UKW ist ab dem dritten Jahr der Fachweiterbildung möglich. Er dauert zwischen sechs Monaten und einem Jahr. Es gibt immer nur einen Platz für eine Austauschärztin oder einen Austauscharzt. Sie oder er wird etwa sechs Wochen lang auf der Neurochirurgischen Intensivstation des UKW eingearbeitet und dann tagsüber im Schichtdienst eingesetzt. Damit die Abläufe an der Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation aufrechterhalten werden können, erbringen die Mediziner und Medizinerinnen pro Monat zusätzlich etwa vier Nachtdienste im Juliusspital.

    Persönliche Bereicherung

    Manuela Heuchler ist die zweite Teilnehmerin des Austauschprogramms. Die Assistenzärztin, im vierten Jahr ihrer Facharztausbildung, arbeitet seit Anfang Januar 2018 am UKW und lobt den sehr kollegialen Umgang an der Neurochirurgischen Klinik. „Neben dem vermittelten Wissen sowie dem Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen ist für mich auch der Perspektivwechsel eine persönliche Bereicherung“, sagt die angehende Neurologin.

    Nach den überaus positiven Erfahrungen des Pilotjahres spricht laut Professor Mathias Mäurer und Professor Ernestus alles dafür, die Kooperation in dieser Form fortzusetzen. „Auch die beim Austausch geschlossenen persönlichen Kontakte zwischen den Beschäftigten der beiden Kliniken fördern die weitere harmonische Zusammenarbeit“, ergänzt Professor Mäurer, Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation am Juliusspital.

    Etablierte Zusammenarbeit nach dem Phasen-Modell

    Schon seit langem übernimmt die Neurologie des Juliusspitals Patienten des UKW zur Frührehabilitation. „Wir folgen damit einem bundesweit praktizierten neurologischen Phasenmodell“, schildert Mäurer. Nach diesem Modell werden Patienten mit schweren Hirnschäden, die beispielsweise durch Unfälle oder Blutungen verursacht wurden, zuerst in einer Phase-A-Einrichtung akutmedizinisch behandelt – in diesem Fall auf der Neurochirurgischen Intensivstation des UKW.

    Sobald es der Zustand der Patienten erlaubt, werden sie an die Neurologie des Juliusspitals, die Phase-B-Einrichtung, übergeben. Dort beginnen sie ihre Frührehabilitation. „Der Begriff Reha darf hier nicht täuschen – wir haben es nach wie vor mit schwerkranken Menschen zu tun, die unter massiven neurologischen Ausfallerscheinungen leiden und teilweise sogar noch künstlich beatmet werden müssen“, sagt Mäurer. Sobald die Patienten bei Therapien selbstständig mitarbeiten können, aber noch kurativ-medizinisch und pflegerisch betreut werden müssen, werden sie an eine Phase-C-Einrichtung zur „weiterführenden Reha“ übergeben. Hier bestehen zahlreiche Kooperationen mit entsprechenden Einrichtungen in der Region.

    Diese enge Vernetzung und die optimierte Kontinuität in der Behandlung beinhalten die Chance, dass die Phase B so früh wie möglich begonnen werden kann. „Wie bei jeder operativen Klinik ist auch bei uns in der Neurochirurgie die Intensivstation das Nadelöhr“, sagt Ernestus. „Deshalb sind wir froh, wenn sich medizinisch vertretbare Wege auftun, um unsere begrenzten Intensivbetten noch besser nutzen zu können.“

    Gegenseitiger Know-how-Transfer

    „Der erfolgreich angelaufene, zeitweise Personaltransfer sorgt dafür, dass wir in einem sehr engen Erfahrungsaustausch die jeweiligen Standards und Konzepte noch besser kennenlernen“, sagt Ernestus und ergänzt: „Die Assistenzärztinnen und -ärzte des Juliusspitals bringen ihr neurologisches Wissen mit, während sie bei uns zusätzliche Kompetenzen, wie zum Beispiel Sicherheit im Umgang mit den oftmals hochkomplexen Problemen der Patienten, erhalten.“ Schließlich könne es auch in einer Phase-B-Einrichtung immer noch zu Komplikationen kommen, die frühzeitig erkannt und dann richtig behandelt werden müssten.

    Durch das innovative Kooperationsmodell kommt das UKW auch seinem Auftrag zur Lehre nach. Die Kooperation bietet laut Ernestus den beteiligten Medizinerinnen und Medizinern eine hervorragende Gelegenheit, die für ihre Facharztausbildung erforderlichen intensivmedizinischen Weiterbildungszeiten mit entsprechenden Kenntnissen und Fähigkeiten zu erlangen.

    Patienten und Angehörige schätzen Behandlungskontinuität

    Eine kontinuierliche, eng verzahnte und damit gleichbleibend höchste Behandlungsqualität ist für die Patienten und deren Angehörige essentiell. „Wir wissen aus eigenen Studien, dass gerade die Phase des Verlassens der Intensivstation von vielen als besonders kritisch und belastend empfunden wird. Umso schöner ist es da, wenn man sich als Patient oder besorgter Verwandter darauf verlassen kann, dass trotz einer – wenn auch kleinen – räumlichen Distanz zwischen Phase-A- und Phase-B-Klinik praktisch wie in einem Zentrum weiterbehandelt wird“, sagt Dr. Ekkehard Kunze, Geschäftsführender Oberarzt der Neurochirurgischen Klinik des UKW.

    Mäurer freut sich ferner über die durch den Kooperationsvertrag weiter gewachsene Reputation des Juliusspitals, denn es ist bundesweit eine Seltenheit, dass eine Klinik zur neurologischen Frührehabilitation so eng an ein Klinikum der höchsten Versorgungsstufe angebunden ist.

    Pressemitteilung des UKW

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