Ausstellung: Die bedrohte Lebenswelt der Ackerbegleitkräuter
21.04.2026Studierende haben sich Geschichten über Ackerbegleitkräuter ausgedacht – aus Perspektive der Pflanzen. Die Ergebnisse sind ab Mittwoch, 29. April, im Philosophiegebäude und im Internet zu sehen.
Seit Jahrtausenden begleiten sie den Ackerbau der Menschen: Kratzdistel, Kornrade, Kamille, Ackerschwarzkümmel, Hirtentäschel, Kornblume und viele andere. Nicht unbedingt immer geliebt, aber oft zwangsweise geduldet, dienten Ackerbegleitkräuter auch als Heilpflanzen oder Anzeiger für Bodenfruchtbarkeit.
Mit der Rationalisierung und Technisierung der Landwirtschaft sind in Deutschland insbesondere seit den 1970er-Jahren tiefgreifende Veränderungen verbunden: Die Artenvielfalt der Wildkräuter auf Äckern und Wiesen nahm ab, das Wissen über diese Pflanzen und die mit ihnen verbundenen Lebenswelt verschwand.
Übung im Multispecies Storytelling
Was alles ging mit den Ackerbegleitkräutern verloren? Das fragten Studierende im Herbstworkshop 2025 des Lehrstuhls Europäische Ethnologie / Empirische Kulturwissenschaft der Universität Würzburg und der Fakultät Gestaltung der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS).
Zur Vermittlung ihrer Ergebnisse übten sich die Studierenden im Multispecies Storytelling. Sie erprobten das Erzählen aus pflanzlicher Perspektive und dachten kritisch über die Neigung zum vermenschlichten Erzählen nach.
Der Workshop ergab sehr unterschiedliche Formate und Geschichten:
- die Kornblume berichtet verärgert über ihre politische Vereinnahmung im Podcast von Radio Blühfunk,
- die Acker-Kratzdistel beklagt ihre mangelnde Wertschätzung durch Menschen,
- die verschwindende Kornrade ist Teil eines Triptychons,
- der Echte Frauenspiegel agiert in einer historischen Collage mit ausgestorbenen Insekten,
- für das gewöhnliche Hirtentäschel und andere vergessene Ackerbegleitkräuter gibt es eine Werbekampagne,
- das Ackervergissmeinnicht wird im Stile des Gedichts der schönen Müllerin von Wilhelm Müller als Heldin in einer Lyrik von Liebe und Verzweiflung aktiv,
- der Ritter Sporn und die Heilerin Kamille müssen in einem modernen Märchen gegen den Pestiziddrachen bestehen.
Wer sich für diese Geschichten interessiert, sollte die Ausstellung der Studierenden besuchen. Sie wird am Mittwoch, 29. April 2026, um 14 Uhr in Bauteil 3 im Philosophiegebäude eröffnet. Dort kann sie bei freiem Eintritt bis Mitte Mai 2026 besucht werden.
Online ist die Ausstellung hier zu finden.
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8:00 bis 20:00 Uhr.
Im Internet: die Reihe „Anthropozän erzählen“
Für die Einbettung der studentischen Arbeit in die kulturwissenschaftliche Umweltforschung sorgte bei dem Workshop Professorin Michaela Fenske. Dr. Beatrice Barrois vermittelte Grundlagen der Gestaltung, und Professor Markus Riederer coachte die Studierenden im botanischen Fachwissen.
Die ausgestellten Geschichten sind Teil der Reihe „Anthropozän erzählen“, die es seit dem Wintersemester 2023/24 gibt. Sie wird regelmäßig um neue Erzählungen erweitert.
Die Reihe findet unter Leitung von Michaela Fenske in Kooperation mit deren Lehrstuhlteam sowie mit Forschenden und Studierenden aus anderen Fachbereichen der Universität sowie der THWS statt.
Weblink zur Reihe
