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Medizinische Fakultät

Thomas Schmidt entwickelt funktionelle Textilmaterialien

03.02.2026

Wenn er einen Sportschuh sieht, der mit Funktionsmaterialien seiner Firma ausgestattet ist, freut sich Thomas Schmidt sehr. Der Chemiker arbeitet für das Unternehmen Huafeng.

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Thomas Schmidt ist viel in der Welt unterwegs. Das Selfie hat er beim New York Marathon gemacht.

Was arbeiten Absolventinnen und Absolventen der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU)? Um den Studierenden verschiedene Perspektiven vorzustellen, befragen Michaela Thiel und ihr Team vom zentralen Alumni-Netzwerk „Uni Würzburg Community“ regelmäßig ausgewählte Ehemalige.

Heute ist Thomas Schmidt an der Reihe. Er hat an der JMU Chemie studiert und arbeitet seit inzwischen zehn Jahren für den Textilhersteller Huafeng in China. Das Unternehmen mit seinen 15.000 Beschäftigten produziert funktionelle Textilmaterialien für Sportschuhe und Bekleidung.

Thomas, wie würdest Du einem Laien Deine Arbeit beschreiben?

Meine Arbeit ist sehr vielfältig. In unserem Headquarter in Putian leite ich ein Entwicklungsteam, das sich vor allem mit der Beschichtung und dem Bedrucken von Textilien beschäftigt. Wir entwickeln Drucktinten und Applikationsprozesse. Ich stelle oft den Kontakt zu neuen Rohstofflieferanten her und helfe bei der Kommunikation mit westlichen Lieferanten. Das gleiche gilt für die Applikationsmaschinen, denn wir müssen ja geeignete Technologien für das Aufbringen unserer neuen Materialien finden und entwickeln. Ich trage außerdem maßgeblich zum Marketing bei und habe zum Beispiel unseren Markennamen HAPTIC fuer das 3D-Bedrucken von Textilien entworfen. Wir erstellen Produktpräsentationen und Kataloge und ich fliege um die Welt, um mit unseren Kunden, den großen Sportmarken und deren Innovationsteams, unsere neuen Ideen zu diskutieren. Ich besuche Industriemessen, fertige mit meinem Team Muster für unsere Messestände und gehe auf Konferenzen und Industrieforen, um auch wissenschaftlich und technologisch auf dem aktuellen Kenntnisstand zu bleiben und Kontakte aufzubauen.

Was gefällt Dir besonders gut an Deiner Arbeit?

Für mich ist es sehr interessant, in einer anderen Kultur zu leben und jeden Tag etwas Neues über Menschen, Technologie und die Welt zu lernen. Ich habe hier die Möglichkeit, Technik, Marketing und interkulturelle Erfahrung zu vereinen, und das macht mir Freude. Ich bin auch immer wieder daheim in Deutschland und freue mich wahnsinnig, wenn eine unserer Innovationen hier in einem Shop auf einem Sportschuh zu sehen ist. Oder wenn man irgendwo auf der Welt jemanden herumlaufen sieht, der unsere Materialien auf seinem Schuh trägt.

Welche Eigenschaften sollte man mitbringen für den Job?

Geduld, unkonventionelle Ideen, Eigeninitiative, interkulturelle Kompetenz und das nötige politische Geschick, nicht durch die Wand gehen zu wollen, sondern gemeinsam eine Lösung zu finden.

Wie ist das Leben und Arbeiten in China?

Es ist sehr anders hier. Die direkte Kommunikation ist wegen der Sprachdefizite sehr schwierig. Dazu kommt die andere Herangehensweise an Probleme. Da sind Missverständnisse nicht zu vermeiden. Es muss bei allen Beteiligten das Vertrauen da sein, dass man gemeinsam das Beste erreichen will. In meinem Spezialfall bin ich hochgeschätzt als ausländischer Experte und kann mich auf die Bereiche konzentrieren, zu denen ich die besten Beiträge bringen kann. Dank der Sprachprobleme fallen viele alltägliche Managementaufgaben und Ärgernisse einfach von mir ab. Dafür muss ich aber auch akzeptieren, dass immer andere mitentscheiden und dass Vieles im Hintergrund passiert. Hier ist Flexibilität immer wichtiger als Zeiteffizienz. Die großen Stärken in China sind der Zusammenhalt und die Bereitschaft, sofort das zu tun, was gerade getan werden muss. Das geht natürlich auf Kosten einer effizienten Zeitplanung. Berufliche und persönliche Zeitpläne werden ohne jede Vorwarnzeit umgeworfen.

Vielen Dank für das Gespräch!


Sie sind selbst noch nicht Mitglied im Alumni-Netzwerk „Uni Würzburg Community“ oder im Alumni & Friends e.V.? Dann sind Sie herzlich eingeladen, sich zu registrieren! Das können Sie auf den Webseiten der Community tun. Dort finden Sie auch die bislang veröffentlichten Interviews mit Alumni und Alumnae der JMU.


Von Michaela Thiel / Robert Emmerich

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