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Medizinische Fakultät

Ute Meiser verbindet Jura und Psychotherapie

02.06.2026

Mit 66 Jahren hat die Psychotherapeutin Dr. Ute Meiser eine Wende vollzogen – hin zu dem Fach, das sie schon als Abiturientin am meisten interessierte. Sie studiert nun Jura an der Uni Würzburg.

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Dr. Ute Meiser studiert Jura an der Universität Würzburg. (Bild: Ute Meiser)

Was arbeiten Absolventinnen und Absolventen der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU)? Um den Studierenden verschiedene Perspektiven vorzustellen, befragen Michaela Thiel und ihr Team vom zentralen Alumni-Netzwerk „Uni Würzburg Community“ regelmäßig ausgewählte Persönlichkeiten.

Wie ungewöhnliche Lebensverläufe aussehen können, zeigt heute das Beispiel von Dr. Ute Meiser: Sie hat in ihrem bisherigen Berufsleben als Psychotherapeutin gearbeitet und im Alter von 66 Jahren ein Jura-Studium an der Uni Würzburg begonnen.

Frau Meiser, wie kam es zu diesem Umschwung?

Nach dem Abitur hatte ich einen Studienplatz für Jura in Augsburg. Ich wollte Strafrechtlerin werden. Allerdings war zu dieser Zeit die Emanzipation der Frauen noch nicht sehr weit, ich wurde als Fräulein angesprochen. Meine Mutter überredete mich, lieber Lehrerin zu werden. Ich schrieb mich an einer Pädagogischen Hochschule ein, wechselte aber sehr bald auf Psychologie, was mich sehr begeisterte. Mit über 40 Jahren habe ich die Psychotherapieausbildung gemacht und dann hatte ich 16 Jahre in Hamburg einen Kassensitz. Als ich mich vor rund zehn Jahren zur Gerichtsgutachterin weitergebildet habe, wurde mir klar, dass ich doch noch Jura studieren möchte. Schon als Abiturientin hatte ich mich dafür interessiert, wie Totschlag, Mord und andere schwere Straftaten psychologisch zu erklären sind. Jetzt kann ich meine Interessen kombinieren.

Wie unterscheidet sich das Studium der beiden Fächer?

Sehr. Ich musste lernen, ganz anders zu denken. Während Psychoanalyse und Tiefenpsychologie im Bereich des Subjektiven liegen und wir sehr stark mit unserer Wahrnehmung arbeiten müssen, fordert Jura ein systematisches und scharfes Denken und ist umfassend strukturiert. Heute ist auch das Studium der Psychologie stärker strukturiert: Damals musste man nur in Statistik Klausuren schreiben, alle anderen Scheine gab es für Referate, Hausarbeiten oder Präsentationen, die wir frei aufbauen konnten. Heute ist das sicher anders.

Was gefällt Ihnen gut, wo hatten Sie andere Erwartungen?

Was mir Probleme gemacht hat, sind die unterschiedlichen Schemata, die es je nach Rechtsgebiet anzuwenden gilt. Was mir sehr gut gefällt, ist die tiefgehende Betrachtung der Sprache und die exakten Definitionen sowie das Einbeziehen der Studierenden in Überlegungen zum juristischen Bearbeiten der Fälle. Auch in Vorlesungen geht es lebendig und interessant zu und man kann immer seine Reflexionen einbringen. An der Uni Würzburg wird außergewöhnlich viel für die Studierenden getan, ich fühle mich hier gut betreut und sehr gut ausgebildet. Allerdings sind die Anforderungen zuweilen gigantisch. So war es für mich sehr schwer, mich gut auf die drei Zwischenprüfungen vorzubereiten. Dazu kommt, dass ich an einer chronischen Innenohr- und Augenerkrankung leide, die mir das Lernen oft erschwert. Aber davon lasse ich mich nicht abhalten.

Was wollen Sie nach dem Studium arbeiten?

Ich möchte gerne Strafverteidigerin für Jugendstrafrecht werden. Auch interessiere ich mich sehr für Grundrechte und für Familien- und Erbrecht. Im Bereich Familienrecht habe ich gutachterliche Stellungnahmen für Gerichte geschrieben, wenn es um Sorgerechts- oder Missbrauchsfälle ging. Mit jugendlichen Straftätern habe ich zuweilen Behandlungen durchgeführt und dabei sehr interessante Einblicke in die psychologischen Hintergründe bekommen.

Andere Menschen möchten mit 66 in Rente sein.

Wenn ich gesund bleibe und arbeitsfähig, dann hoffe ich, dass ich noch 20 gute Jahre habe und meinen eigenen „role models“ folgen kann, was die Arbeit im Alter betrifft: Eine meiner Ausbilderinnen in der Psychotherapie hatte mit 92 Jahren noch eine volle Praxis und gab Seminare für Studierende. Und die US-amerikanische Juristin Ruth Bader-Ginsburg hat bis zu ihrem Tod mit 87 Jahren als Richterin gearbeitet.

Was raten Sie Alumni, die auch noch einmal umschwenken wollen?

Entscheiden Sie bei der Berufswahl nicht nach rationalen Kriterien! Wählen Sie das Fach oder wechseln sie zu dem Gebiet, für das Sie brennen, wo die Leidenschaft Sie hinleitet! Und warten Sie damit bloß nicht so lange wie ich. Bei meiner Prüfungsvorbereitung in Rechtsphilosophie habe ich ein wunderbares Zitat von Hegel gefunden: „Es ist nichts Großes ohne Leidenschaft vollbracht worden“.

Vielen Dank für das Gespräch!


Sie sind selbst noch nicht Mitglied im Alumni-Netzwerk „Uni Würzburg Community“ oder im Alumni & Friends e.V.? Dann sind Sie herzlich eingeladen, sich zu registrieren! Das können Sie auf den Webseiten der Community tun. Dort finden Sie auch die bislang veröffentlichten Interviews mit Alumni und Alumnae der JMU.


Von Michaela Thiel / Robert Emmerich

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