Preise für gemeinwohlorientiertes Engagement
06.10.2026Hass im Netz, Inklusion und Urban Gardening: Mit diesen Themen setzten sich P-Seminare an unterfränkischen Gymnasien auseinander. Nun wurden sie dafür an der Universität Würzburg im Rahmen der Herbsttagung der PSE ausgezeichnet.
Drei P-Seminar-Projekte unterfränkischer Gymnasien erhielten Anfang Oktober auf der gut besuchten Tagung der Professional School of Education (PSE) der Universität Würzburg den TaC-Award. Die beteiligten Schülerinnen und Schüler engagierten sich in besonderem Maße für das Gemeinwohl und zeigten, wie sich unterschiedliche gesellschaftliche Herausforderungen bewältigen lassen. Vor großem Auditorium nahmen die Gruppen der Preisträgerschulen ihre Preise entgegen.
Workshops gegen Hass und Rassismus im Netz
Den ersten Preis gewann das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium aus Schweinfurt mit dem Projekt „#mitcouragegegenhassimnetz“. Die Schülerinnen und Schüler entwickelten einen Peer-Coaching-Workshop für fünfte Klassen ihres Gymnasiums, in dem der Umgang mit Hass und Rassismus im Internet thematisiert und reflektiert wird. Dazu programmierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des P-Seminars ein digitales Entscheidungsspiel, das die jüngeren Schülerinnen und Schüler in die Rolle eines Klassensprechers versetzt, der mit im Klassenchat geteilten rassistischen Inhalten umgehen muss. „Das Seminar überzeugte die Jury durch seinen wissenschaftlichen Ansatz, die umfangreichen Workshopmaterialien, den Peer-Coaching-Ansatz, die nachhaltige Wirkung des Projekts sowie die Wahl eines hochaktuellen und wichtigen Themas“, heißt es in der Laudatio.
Inklusiv hören
Für das Projekt „Leichte Sprache 2.0 – Einfach Hören“ erhielt das Matthias-Grünewald-Gymnasium aus Würzburg den zweiten Preis. Gemeinsam mit Bewohnerinnen und Bewohnern der Arche gGmbH aus Würzburg produzierten die Schülerinnen und Schüler ein Hörbuch in leichter Sprache. Darin enthalten sind Tier- und Kriminalgeschichten, die von den Schülerinnen und Schülern eingesprochen und mit Hintergrundgeräuschen unterlegt wurden, welche die Bewohnerinnen und Bewohner der Arche produzierten. Damit entstand nicht nur ein Produkt, das Inklusion durch leichte Sprache fördert; durch die Zusammenarbeit mit der Arche wurde die Inklusion im Projekt in besonderem Maße auch praktisch gelebt. Die Bewohnerinnen und Bewohner der Arche hatten dabei die Rolle als Expertinnen und Experten inne, da sie die entstehenden Texte in mehreren Korrekturschleifen auf Verständlichkeit prüften.
Urban Gardening
Der 3. Preis ging an das P-Seminar „Urban Gardening“ vom Olympia-Morata-Gymnasium aus Schweinfurt. Über das Schuljahr hinweg planten und begleiteten die Schülerinnen und Schüler die Gartensaison im öffentlich zugänglichen Schulgarten des Olympia-Morata-Gymnasiums. Dabei wendeten sie Pflanzmethoden an, die sich besonders für urbane Gebiete eignen: Hydroponik, Terrabioponik sowie mobiles und vertikales Gärtnern. Außerdem gestalteten sie einen Blühstreifen, um die Biodiversität im Garten zu fördern. Darüber hinaus organisierte das P-Seminar zwei Projekttage für die sechste Klasse. Dabei sollten die jüngeren Schülerinnen und Schüler für die Bedeutung von Natur und Nachhaltigkeit sensibilisiert werden. Dies gelang durch gemeinsame Pflanz- und Ernteaktionen sowie durch das Bauen von Vogelhäusern und das Herstellen von Meisenknödeln. Damit hat das Projekt gleich zwei gesellschaftliche Wirkungen: Eine ökologische, durch die Förderung der Biodiversität im Schulgarten, und auch eine soziale Wirkung, durch die Weitergabe der Freude an der Natur sowie der Gestaltung eines öffentlich zugänglichen Erholungs- und Begegnungsortes.
Der TaC-Award
Verliehen wird der TaC-Award von der Universität Würzburg und der Dienststelle des Ministerialbeauftragten für die Gymnasien in Unterfranken. Entwickelt wurde er im Rahmen des Projekts „Teachers as Changemakers (TaC)“, einem Verbundprojekt der Universitäten Würzburg und Bamberg. Insgesamt ist es die dritte Verleihung der Awards auf der Herbsttagung der PSE, die in diesem Jahr unter dem Titel „Auffälliges Verhalten verstehen – die Gesundheit von Schülerinnen und Schülern stärken“ stand. Offensichtlich hatte das Planungsteam für die Tagung damit den Nerv vieler Lehrerinnen und Lehrer getroffen, da mit 450 Teilnehmern ein neuer Rekord erreicht wurde.
Das Projekt „Teachers as Changemakers”
In diesem Projekt werden Lehramtsstudierende zu Multiplikatorinnen und Multiplikatoren des handlungsorientierten Ansatzes „Social Entrepreneurship Education“ ausgebildet. Das Projekt soll dazu beitragen, Social Entrepreneurship Education als methodisch-didaktischen Zugang zu Lernprozessen stärker in Schule und Lehramtsausbildung zu verankern und damit einen Beitrag dazu leisten, junge Menschen auf die sozialen und ökologischen Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten. „Schülerinnen und Schüler erfahren so, dass sie ihre Lebenswelt aktiv mitgestalten und auch im Kleinen Veränderungen anstoßen können“, sagt Dr. Korinna Thiem, die das Projekt am Servicezentrum Forschung und Technologietransfer der Universität Würzburg begleitet. Eine Auseinandersetzung mit sozialunternehmerischem Denken und Handeln müsse dabei nicht zwingend in der Gründung einer Schülerfirma münden. Es ginge vielmehr um die Entwicklung und Umsetzung von Ideen, mit denen ökologische und soziale Herausforderungen gemeistert werden können.
Social Entrepreneurship Education stärkt dabei nicht nur das Verständnis für Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und gesellschaftliches Engagement. Der Ansatz fördert auch wichtige Zukunfts- und Persönlichkeitskompetenzen wie Kreativität, Eigenverantwortung, kritisches Denken und die Fähigkeit, gemeinsam Lösungen zu entwickeln. „Für die Schule bedeutet das, Lernräume zu schaffen, in denen junge Menschen Selbstwirksamkeit erfahren, Verantwortung übernehmen und offen mit Veränderungen umgehen lernen“, erklärt Maja Freymuth, Projektmitarbeiterin an der Professional School of Education der Universität Würzburg.
An der Universität Würzburg sind die Gründungsförderung am Servicezentrum Forschung und Technologietransfer sowie die Professional School of Education an dem Projekt beteiligt. Sie veranstalten regelmäßig Angebote zur Integration von Social Entrepreneurship Education in den Unterricht, beispielsweise die Ringvorlesung „Teaching for Impact“. Interessierte erfahren dort, wie der Unterricht von morgen mit dem Ansatz der Social Entrepreneurship Education gestaltet werden kann.
Weitere Informationen
Informationen zu den Gewinnerprojekten
Das Projekt „Teachers as Changemakers“
Kontakt
Maja Freymuth, Projektmitarbeiterin, maja.freymuth@uni-wuerzburg.de
