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Medizinische Fakultät

Studie zum Post-Covid-Syndrom startet

20.12.2022

Die vom Würzburger Institut für Allgemeinmedizin geleitete Pilotstudie PreVitaCOV ist eine der ersten medikamentösen Therapiestudien zu langfristigen Symptomen nach einer Infektion mit COVID-19.

Wer die Folgen einer Corona-Infektion lange mit sich herumträgt, kann an einer Pilotstudie zur Therapie des Post-COVID-19-Syndroms teilnehmen.
Wer die Folgen einer Corona-Infektion lange mit sich herumträgt, kann an einer Pilotstudie zur Therapie des Post-COVID-19-Syndroms teilnehmen. (Bild: Julia Bernhard)

Die Corona-Wellen ebben zwar langsam ab. Doch die Nachwirkungen sind bei einigen, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert hatten, noch gewaltig. Zwei bis drei Prozent der an Covid-19 Erkrankten haben Beschwerden, die länger als zwölf Wochen dauern können.

Die Betroffenen leiden am häufigsten unter Müdigkeit und Erschöpfung, Atembeschwerden, Kopfschmerzen sowie Riech- und Schmeckstörungen. Weitere häufige Symptome reichen von allgemeinen Schmerzen und Husten über posttraumatische Belastungsstörungen, Ängste und Zwänge bis hin zu kognitiven Einschränkungen und Haarausfall.

Gegen das Post-Covid-Syndrom gibt es bislang keine wirksame Therapie. Die Universitätskliniken Würzburg, Tübingen und Kiel evaluieren jetzt eine Behandlungsoption in der Studie PreVitaCOV.

Teilnahme an Therapiestudie ab sofort möglich

„Wer in seiner allgemeinmedizinischen Praxis Patientinnen und Patienten mit dem Post-Covid-Syndrom betreut, ist herzlich eingeladen, die Betroffenen ab sofort an unsere Studienzentren in Würzburg, Tübingen oder Kiel zu verweisen“, appelliert Professorin Ildikó Gágyor vom Institut für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Würzburg (UKW).

In der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Studie werden die Wirksamkeit und Sicherheit von Prednisolon und einer Fixkombination der Vitamine B1, B6 und B12 beim Post-Covid-19-Syndrom untersucht.

Wie die Teilnahme an der Studie abläuft

Zunächst überprüfen die Studienteams in einer Pilotstudie die Machbarkeit der Therapie in der häuslichen Versorgung und sammeln erste Daten zur Wirksamkeit.

Das heißt: 100 Patientinnen und Patienten erhalten nach einer umfangreichen Erstuntersuchung im Studienzentrum mit körperlichem Check-up, Blutuntersuchung, Tests zu Konzentration und Aufmerksamkeit über 28 Tage entweder ein Kortikosteroid, einen Vitamin-B-Komplex, eine Kombination aus Kortikosteroid und Vitamin-B-Komplex oder ein Placebo.

Die Studie ist „doppelt verblindet“. Das bedeutet, dass weder die Probandinnen und Probanden noch das Studienteam wissen, wer welchen Wirkstoff erhält. Nachkontrollen des Gesundheitszustandes erfolgen nach einem, zwei und sechs Monaten. Für die Teilnahme an der Studie wird eine Aufwandsentschädigung und anteilige Erstattung der Fahrkosten gezahlt. Details zur Studie liefert die Webseite PreVitaCOV.

Ursachen der Langzeitfolgen

„Vermutet werden, dass Gewebeschäden und chronische Entzündungsprozesse die Symptome hervorrufen. Eine Viruspersistenz, also das Überleben des Krankheitserregers im Körper, sowie Fehlregulationen von Zell- und Gewebsfunktionen werden ebenfalls als Ursachen von Post-Covid diskutiert“, erläutert Ildikó Gágyor, die das Projekt leitet.

„Bislang gibt es lediglich Empfehlungen der S1-Leitlinie zur Linderung der Beschwerden und Vermeidung der Chronifizierung“, berichtet Caroline Tengelmann, die Koordinatorin der Studie.

„Ich freue mich sehr, dass wir mit PreVitaCOV jetzt endlich an den Start gehen können“, so die stellvertretende Projektkoordinatorin Yvonne Kaußner. „Das Post-Covid-Syndrom geht mit einer hohen psychosozialen Belastung einher und hat eine enorme ökonomische Relevanz. Sofern es in der Pilotstudie Hinweise für eine Wirksamkeit gibt und wenn die Pilotstudie machbar ist, können wir sie fortsetzen, was ungemein wichtig ist für ambulante Forschung.“

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