piwik-script

Intern
    Medizinische Fakultät

    Sepsis möglichst früh erkennen

    01.06.2021

    Schon im Frühstadium einer Sepsis verliert ein Rezeptor auf den Thrombozyten seine Funktion. Dieses Phänomen könnte ein Ausgangspunkt für die Entwicklung einer Frühdiagnostik sein.

    Professor Harald Schulze (links) und Privatdozent Dirk Weismann planen weitere Analysen aus tiefgefrorenen Blutproben von Sepsis-Patienten.
    Professor Harald Schulze (links) und Privatdozent Dirk Weismann planen weitere Analysen aus tiefgefrorenen Blutproben von Sepsis-Patienten. (Bild: Maria Drayss / Universitätsklinikum Würzburg)

    Bei einer Sepsis, umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannt, schädigen die Abwehrreaktionen des Körpers gegen eine Infektion die eigenen Gewebe und Organe.

    „Unsere hauptsächlichen therapeutischen Anstrengungen bei der Sepsis zielen darauf ab, ein Multiorganversagen zu verhindern“, sagt Privatdozent Dr. Dirk Weismann. Der Leiter der internistischen Intensiv- und Notfallmedizin der Medizinischen Klinik I des Uniklinikums Würzburg (UKW) fährt fort: „Leider können wir mit den aktuellen Labordiagnoseverfahren eine Sepsis erst zuverlässig erkennen, wenn der Organschaden schon relativ groß ist.“

    Ein Glykoproteinrezeptor versagt den Dienst

    Zu den diagnostisch genutzten Parametern zählt das Absinken der Anzahl der Blutplättchen (Thrombozyten) bei einer Sepsis. Dieser Effekt ist schon seit Jahren bekannt. Ein Forschungsteam um Dr. Weismann und Professor Dr. Harald Schulze vom Institut für Experimentelle Biomedizin des UKW hat nun nachgewiesen, dass im Verlauf einer Blutvergiftung die Thrombozyten nicht nur weniger werden, sondern sich auch schlechter aktivieren lassen.

    Über eine umfassende Analyse mittels Durchflusszytometrie, Aggregometrie und Immunoblotting fand das Team heraus, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit das Versagen eines Rezeptors auf der Oberfläche der Blutplättchen für dieses Phänomen verantwortlich ist: Die Signalisierung des Glykoproteinrezeptors GPVI stumpft während einer Sepsis zunehmend ab.

    Effekt setzt schon früh ein

    „Besonders interessant ist, dass dieser Effekt schon zu Beginn der Sepsis einsetzt, deutlich früher als andere bisher messbare Faktoren“, erläutert Dr. Weismann. Deshalb könnte dieser Defekt möglicherweise als früher Indikator für eine Sepsis-Diagnose genutzt werden. Diese Vermutung muss jedoch in weiteren Studien bestätigt werden.

    Publikation

    Die Ergebnisse der Studie wurden im April 2021 in der Fachzeitschrift Blood veröffentlicht.

    Weiss LJ, Manukjan G, Pflug A, Winter N, Weigel ML, Nagler N, Kredel M, Lam TT, Nieswandt B, Weismann D, Schulze H. Acquired platelet GPVI receptor dysfunction in critically-ill patients with sepsis. Blood. 2021 Apr 7:blood.2020009774. doi: 10.1182/blood.2020009774

    Fakten zur Sepsis

    Eine Sepsis zählt zu den schwersten Komplikationen von Infektionskrankheiten, die durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten ausgelöst werden. Häufige Quellen einer Sepsis sind Lungenentzündungen, Infektionen des Magen-Darm-Trakts und des Urogenitaltrakts, ferner auch Infektionen von Haut- und Weichteilgewebe, des zentralen Nervensystems und sogenannte katheterassozierte Infektionen. Eine Sepsis ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der oft zu spät erkannt wird. In Deutschland sterben jährlich etwa 75.000 Menschen an einer Sepsis. Überlebende leiden oft an schweren Folgeschäden.

    Von Pressestelle Universitätsklinikum Würzburg

    Zurück