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    Hirnschrittmacher auch nach Schlaganfall?

    28.11.2017

    Die Gehstörungen von Schlaganfallpatienten lassen sich womöglich durch die elektrische Stimulation einer bestimmten Mittelhirnregion bessern. Das legt eine Studie des Uniklinikums Würzburg nahe.

    Dr. Felix Fluri, Oberarzt an der Neurologischen Klinik und Poliklinik. (Foto: C. Feige / Uniklinikum Würzburg)

    Etwa ein Drittel der Überlebenden eines Schlaganfalls können kaum oder gar nicht mehr gehen. „Für diese chronischen Gehstörungen gibt es bisher keine wirklich wirksamen medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten, und auch die Erfolge von übenden Therapien sind sehr beschränkt“, bedauert Professor Jens Volkmann, Direktor der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW).

    Ein Team seiner Klinik hat nun möglicherweise einen neuen, vielversprechenden Behandlungsansatz gefunden. Der fachwissenschaftliche Artikel dazu ist in der renommierten US-amerikanischen Zeitschrift „Annals of Neurology“ erschienen.

    Die Wissenschaftler konnten an einem Tiermodell für den Schlaganfall zeigen, dass die elektrische Stimulation einer bestimmten Mittelhirnregion die koordinierte Gehfähigkeit von Ratten wiederherstellen kann.

    Vermutung: Störende Signale werden abgeschirmt

    „Das mesencephale lokomotorische Zentrum ist schon länger als Koordinationszentrum des Gehens bekannt“, berichtet Dr. Felix Fluri. Allerdings sei diese Mittelhirnzone von einem typischen Schlaganfall im Bereich des Großhirns nicht betroffen. Weshalb sie trotzdem nach einem Schlaganfall ihre Funktion bei der Steuerung des Gehens nicht mehr korrekt ausübt, sei bislang nicht bekannt.

    Warum und wie wirkt dann ihre elektrische Stimulation? „Wir vermuten, dass die elektrische Reizung die mesencephale Lokomotionsregion von störenden Signalen aus übergeordneten Hirnregionen abschirmt. Dadurch wird das Mittelhirn wieder in die Lage versetzt, das Gehen über nachgeordnete Rückenmarkszentren normal zu kontrollieren und zu steuern“, erklärt Fluri.

    Die positiven Effekte auf die Gehfähigkeit seien dabei zeitlich streng an die elektrische Reizung gebunden: „Das funktioniert wie mit einem Schalter: Strom an – die Ratten können sich normal bewegen, Strom aus – die Ratten haben massive motorische Einschränkungen.“

    Dr. Fluri ist Oberarzt an der Neurologischen Klinik. Er hat die gemeinsam mit den Professoren Jens Volkmann und Christoph Kleinschnitz (zwischenzeitlich Universitätsklinikum Essen) konzipierte Studie maßgeblich betreut.

    Hoffnung: Tiefe Hirnstimulation nach Schlaganfall anwendbar

    „Diese Arbeit könnte von unmittelbarer Relevanz für Schlaganfallpatienten sein“, freut sich Professor Volkmann: „Mit der tiefen Hirnstimulation verfügen wir bereits über ein zugelassenes Verfahren, das in anderen Hirnregionen und bei anderen Erkrankungen, wie zum Beispiel der Parkinson-Krankheit, sehr gute Erfolge erzielt. Vor diesem Hintergrund streben wir eine klinische Prüfung der Übertragbarkeit des Verfahrens auf geeignete Schlaganfallpatienten in naher Zukunft an.“

    F Fluri et al. „Stimulation of the Mesencephalic Locomotor Region for Gait Recovery After Stroke”, Ann Neurol 82 (5), 828-840, 2017 Nov 11, doi: 10.1002/ana.25086

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