Else Kröner Center Würzburg-Mwanza geht in die Verlängerung
07.09.2026Die erfolgreiche Arbeit des Else Kröner Center Würzburg-Mwanza kann weitergehen: Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung fördert das Kooperationsprojekt für eine bessere Gesundheitsversorgung für weitere 2,5 Jahre.
Vor über sechs Jahren hat das „Else Kröner Center for Advanced Medical & Medical Humanitarian Studies Würzburg – Mwanza“ (EKC) seine Arbeit aufgenommen. Mittlerweile ist das Zentrum zu einem festen Bestandteil der deutsch-tansanischen Kooperationen zwischen den medizinischen Fakultäten der Universität Würzburg und der Catholic University of Health and Allied Sciences in Mwanza avanciert. Es gilt an beiden Universitäten als Leuchtturmprogramm für die deutsch-afrikanische Zusammenarbeit.
Viel ist seit der Gründung des Zentrums passiert: Fünfzig Medizinstudierende der Partnerfakultäten haben Praktika im Partnerland durchgeführt, Ärztinnen und Ärzte haben bei ihren Kolleginnen und Kollegen hospitiert, ein bilaterales Masterprogamm wurde ins Leben gerufen, acht Doktorandinnen und Doktoranden haben ihre Forschung an beiden Standorten vorangetrieben.
Vor allem wurde die Gesundheitsversorgung in der Region um Mwanza erheblich verbessert: Im Rahmen eines breit angelegten Programms zur Bekämpfung der um den Victoriasee stark verbreiteten parasitären Krankheit Schistosomiasis wurden weite Teile der auf den Inseln ansässigen Bevölkerung über die Erkrankung und ihre Folgen aufgeklärt, auf eine Infektion untersucht und behandelt. Auch das lokale Krankenhaus wurde für die adäquate Versorgung von Schistosomiasis-Patientinnen und -Patienten erweitert und das ansässige Personal geschult.
850.000 Euro für die zweite Projektphase
Nun hat die Else Kröner-Fresenius-Stiftung zugesagt, das Zentrum für weitere zweieinhalb Jahre mit 850.000 Euro zu fördern. Sie hat das Projekt in dessen ersten Jahren bereits mit 2,5 Millionen Euro unterstützt.
Die Projektleitung verbleibt auch in der zweiten Förderphase in der Hand der Medizinischen Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Kooperationspartner in Würzburg sind das Universitätsklinikum Würzburg (UKW), medmissio – Institut für Globale Gesundheit und die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) e.V.. Partnerorganisationen in Mwanza sind die Catholic University of Health and Allied Sciences und das Bugando Medical Centre.
Ehrgeizige Ziele für die zweite Förderphase
Neben der Weiterführung der bestehenden Programme soll in der kommenden Förderphase zusätzlich ein Programm zur Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern in Mwanza eingeführt werden.
Außerdem haben sich die Partner zum Ziel gesetzt, das Schistosomiasis-Programm auf alle Gemeinden im Ukerewe-Distrikt rund um den Victoriasee auszuweiten. Neben den Erwachsenen wollen sie nun auch Kinder unter fünf Jahren in die Behandlungskampagnen einbinden. So sollen alle etwa 400.000 Menschen in 62 Dörfern die Möglichkeit regelmäßiger Untersuchungen und Behandlungen erhalten. Begleitet wird das Programm von wissenschaftlichen Studien zur Verbreitung und Epidemiologie der Parasiten. Geprüft werden auch Effizienz und Kosten des Programms.
Beim Endspurt liegt der Fokus auf Nachhaltigkeit
In den kommenden zweieinhalb Jahren wird das Zentrum einen besonderen Fokus auf die Nachhaltigkeit der geschaffenen Strukturen legen. Die im Rahmen des EKC ausgebildeten Doktorandinnen und Doktoranden verpflichten sich, nach ihrer Promotion für weitere sechs Jahre an der Partneruniversität in Mwanza zu bleiben und ihre Expertise in Lehre und Forschung vor Ort einzubringen. In einem Clinician-Scientist-Programm sollen besonders talentierte Nachwuchskräfte beim Aufbau eigenständiger Forschungsgruppen unterstützt werden.
Zusätzlich wurde eine Übergabestrategie erarbeitet, nach der das gemeinnützige Programm zur Bekämpfung der Schistosomiasis Schritt für Schritt in lokale Hände überführt werden soll. Zum Abschluss der zweiten Förderperiode sollen wichtige Schnittstellen, wie die Beschaffung und Vergabe der Medikamente, durch die lokale Gesundheitsbehörde -und einrichtungen übernommen werden.
Das Ziel der Beteiligten ist es, nach dem Ablauf der Förderung durch die Else Kröner-Fresenius-Stiftung langfristige Strukturen geschaffen zu haben, welche die akademische Lehre, die Versorgung von Patientinnen und Patienten sowie die Gemeindearbeit auf den Inseln weitertragen. Die seit Jahrzehnten bestehende Partnerschaft zwischen den Universitäten und Unikliniken mit dem regen Austausch von Studierenden und Ärztinnen und Ärzten sowie die engen Kollaborationen zwischen den weiteren Partnern werden auch nach Förderende durch die Else Kröner-Fresenius-Stiftung Bestand haben.
Stimmen zur Weiterförderung
„Im Else Kröner Center Würzburg-Mwanza greifen Patientenversorgung, Prävention, Ausbildung und Forschung eng ineinander. Die bisherigen Arbeiten haben wichtige Strukturen für die Schistosomiasis-Kontrolle und die Versorgung auf Ukerewe geschaffen. In den kommenden zweieinhalb Jahren sollen diese nachhaltig verankert, auf den gesamten Distrikt mit rund 400.000 Menschen ausgeweitet und schrittweise in die Verantwortung der tansanischen Partner übergeben werden. Diese Verbindung von unmittelbarer medizinischer Hilfe, Kompetenzaufbau und lokaler Verantwortung hat uns überzeugt.“– Dr. Judith von Heusinger, zuständig für die humanitäre Förderung der Else Kröner-Fresenius-Stiftung
„Im Else Kröner Center wurden die langjährigen Partner aus Mwanza und Würzburg noch enger zusammengeführt und bisherige Projekte vertieft und deutlich erweitert. Die Förderzusage für weitere 2,5 Jahre durch die Else Kröner-Fresenius-Stiftung ermöglicht eine Verstetigung der aufgebauten Strukturen und einen langfristigen, über die Förderung hinausgehenden Einfluss des Zentrums. Wir begrüßen daher die Zusage für eine Weiterfinanzierung sehr.“ – Prof. Dr. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg
„Die Zusammenarbeit aller Partner in den letzten Jahren hat gezeigt, dass gemeinsam vieles erreicht werden kann. Auch für die zweite Förderphase haben wir uns ehrgeizige Ziele gesteckt. Unsere Projektarbeit erstreckt sich auf die akademische Lehre, die Ausbildung von Doktorandinnen und Doktoranden, die Wissenschaftsförderung, die Patientenversorgung und die regelmäßige Behandlung aller Menschen im Ukerewe District gegen die vernachlässigte Tropenerkrankung Schistosomiasis. Durch die starke Vernetzung der unterschiedlichen Projektbereiche wird eine nachhaltige Förderung in allen Bereichen erzielt.“ – Prof. Dr. Oliver Kurzai, wissenschaftlicher Leiter des Else Kröner Centers
„Wir freuen uns sehr, dass die EKFS auch die zweite Förderrunde begleitet. Gerade jetzt ist es entscheidend, die gesamte Bevölkerung auf der Ukerewe Insel zu erreichen – sowohl in geografischer Hinsicht als auch durch die Einbeziehung von Kindern unter fünf Jahren. Dies stellt einen wichtigen Schritt für die Unterbrechung des Schistosomiasis Infektionskreislaufs dar. Darüber hinaus ermöglichen uns die bereits erzielten Erfolge sowie die gemeindezentrierten Maßnahmen, den Fokus noch mehr auf Eigenregie und Eigenverantwortung unter Einbezug aller lokaler Akteure zu legen, und gleichzeitig wertvolle wissenschaftliche Erkenntnisse über den aktuellen Kontext verfügbar zu machen.“ – Dr. Saskia Kreibich, Forschungskoordinatorin der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe
Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) – Forschung fördern. Menschen helfen.
Die gemeinnützige Else Kröner-Fresenius-Stiftung widmet sich der Förderung medizinischer Forschung und unterstützt humanitäre Projekte. Bis heute hat sie rund 3.000 Projekte gefördert. Mit einem jährlichen Fördervolumen von aktuell rund 90 Millionen Euro ist sie die größte Medizin fördernde Stiftung Deutschlands. Weitere Informationen unter: www.ekfs.de
Weblinks
Else Kröner Center Würzburg – Mwanza: https://www.wuerzburg-mwanza.de/
Else Kröner-Fresenius-Stiftung: www.ekfs.de
