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Medizinische Fakultät

Allgemeinmedizin kennt keine Grenzen

20.10.2026

Allgemeinmedizin in Studium, Weiterbildung und im Gesundheitssystem: Damit haben sich die Mitglieder des europäischen Netzwerk EURACT bei einem Treffen in Würzburg beschäftigt. Eingeladen hatte die Professorin Anne Simmenroth.

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Am 15. Oktober kamen die ersten Delegierten der European Academy of Teachers in General Practice/Family Medicine (EURACT) zum dreitätigen Council-Meeting nach Würzburg. (Bild: Anne Simmenroth / UKW)

Von Island bis Israel, von Portugal bis zur Ukraine – die European Academy of Teachers in General Practice (EURACT) verbindet Lehrende der Allgemein- und Familienmedizin über die Grenzen der Europäischen Union hinweg. Aus mehr als 35 Mitgliedsstaaten sind die Delegierten Mitte Oktober der Einladung von Professorin Anne Simmenroth, Direktorin des Würzburger Instituts für Allgemeinmedizin, gefolgt und zum EURACT Council Meeting in die unterfränkische Universitäts- und Residenzstadt gereist. Gemeinsam haben sie an Studien und Positionspapieren gearbeitet mit dem Ziel, die Ausbildung der Hausärztinnen und Hausärzte in Europa zu optimieren und an die Bedarfe anzupassen.

Erstmals tagt EURACT in Würzburg

„Es ist ein tolles Gremium, die Arbeit macht unglaublich viel Spaß und wir können sehr viel voneinander lernen“, sagt Anne Simmenroth. Die Allgemeinmedizinerin und Wissenschaftlerin wurde bereits zum vierten Mal zu Deutschlands Vertreterin in der EURACT gewählt. Seit zwei Jahren leitet sie zudem in dem Netzwerk die Sektion „Studium“. Zweimal im Jahr tagen die EURACT-Delegierten in verschiedenen europäischen Universitätsstädten, um ihre Themenbereiche weiterzuentwickeln.

„Ich freue mich sehr, dass die Stadt Würzburg zum ersten Mal Gastgeberin dieses wichtigen Netzwerktreffens ist“, sagt Anne Simmenroth. „So etwas hat es noch nie gegeben und wird es vermutlich auch in absehbarer Zeit nicht geben.“ In zwei Jahren möchte Simmenroth ihr Amt in jüngere Hände legen.

Wie ist es hierzulande um Lehre und Weiterbildung bestellt? „In der Lehre ist Deutschland im europäischen Vergleich gut aufgestellt”, so Simmenroth. Die Allgemeinmedizin ist an den medizinischen Fakultäten inzwischen breit verankert, Lehrstühle sind etabliert und auch Lehrpraxen werden über strukturierte Programme und eine finanzielle Vergütung eingebunden. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich eher im oberen Drittel. In einigen Ländern, zum Beispiel in Teilen Osteuropas, fehlen hingegen Lehrstühle, Personal und ausreichende finanzielle Mittel für die allgemeinmedizinische Lehre.

Die Weiterbildung hinkt hinterher

Deutlich größeren Nachholbedarf gibt es Simmenroth zufolge in Deutschland bei der Weiterbildung zur Fachärztin beziehungsweise zum Facharzt für Allgemeinmedizin. Länder wie Finnland, Schweden, Norwegen, England, die Niederlande oder auch die baltischen Staaten setzen auf klar strukturierte Weiterbildungsprogramme mit festen Rotationen durch verschiedene Fachbereiche und Einrichtungen, Mentoren und regelmäßigem Unterricht. Dadurch ist die Weiterbildung stärker wie eine Verlängerung des Studiums organisiert, und es wird gewährleistet, dass alle angehenden Fachärztinnen und Fachärzte vergleichbare Inhalte und Erfahrungen sammeln.

In Deutschland hängt dagegen noch vieles von der jeweiligen Weiterbildungsstelle und den Rahmenbedingungen ab. Zwar schaffen erste Weiterbildungsverbünde und Kompetenzzentren mehr Struktur, sie reichen aber noch nicht an die etablierten Modelle anderer europäischer Länder heran.

Überall fehlt Nachwuchs

So unterschiedlich Lehre und Weiterbildung sowie die Gesundheitssysteme in Europa auch sind, eines eint sie alle: das Nachwuchsproblem. Der Ärztemangel in der Primärversorgung, vor allem im ländlichen Raum, ist sogar ein globales Problem. Ob Australien, Brasilien, Kanada oder Europa – überall sieht man eine Ausdünnung der hausärztlichen Versorgung. Auch hierzu tauscht sich die EURACT aus: Mit welchen Maßnahmen kann der Generationenwechsel in der Allgemeinmedizin aktiv gestaltet und begleitet werden? „Jeder hat seine Ideen und Erfahrungen, wie man junge Ärztinnen und Ärzte für die Allgemeinmedizin begeistern kann“, sagt Anne Simmenroth.

Für die Allgemeinmedizinerin sind die Vielfalt, Breite und Kontinuität des Fachs die perfekte Kombination. „Ich behandle die unterschiedlichsten Krankheitsbilder, muss mich ständig weiterbilden und begleite viele Menschen über weite Strecken ihres Lebens. Ich lebe gewissermaßen mit ihnen. Das ist unglaublich toll“, schwärmt Simmenroth. In ihrer letzten Sprechstunde hatte sie beispielsweise erst ein vierjähriges Kind und später einen Hausbesuch bei einer 92-Jährigen Patientin – für die Blockpraktikantin, die dabei war, sicher ein prägendes Erlebnis.

Zahlreiche Ärztinnen und Ärzte bestätigen die Faszination dieses Berufs. Dennoch sind es zu wenige, um die hausärztliche Versorgung von morgen zu sichern. „Ohne Quereinsteiger, also Internistinnen und Internisten, die hausärztliche Sitze übernehmen, würde es gar nicht gehen”, so Simmenroth. Die zweite große Gruppe der Quereinsteiger kommt aus den Bereichen Anästhesie und Chirurgie.

Über EURACT

Die European Academy of Teachers in General Practice ist das europäische Netzwerk für Lehrende und Ausbildende in der Allgemeinmedizin und gilt offiziell als Bildungsnetzwerk von WONCA Europa. Die World Organization of Family Doctors ist der weltweite Dachverband für Allgemein- und Familienmedizin.

EURACT bietet unter anderem internationale Fort- und Weiterbildungen für Lehrende, Kurse zu Prüfungs- und Bewertungsmethoden sowie Kongresse und Symposien an. Darüber hinaus entwickelt und veröffentlicht EURACT Empfehlungen, Standards und Lehrmaterialien für die Aus- und Weiterbildung in der Allgemeinmedizin. Das Netzwerk umfasst Vertreterinnen und Vertreter aus rund 40 Ländern des geografischen Europas und ist damit nicht auf die Mitgliedstaaten der Europäischen Union beschränkt.

Von Pressestelle UKW

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