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Faculty of Medicine

Die Zukunft der Lehrkräftebildung ist international

03/17/2026

„Teachers together for change”: Unter diesem Motto stand die 5. GoTEd+ Week der Professional School of Education (PSE). Die Gäste und Referierenden waren dafür aus 14 Ländern weltweit angereist.

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International zusammengesetzt war das Publikum bei der GoTEd+ Week der Professional School of Education. (Image: PSE)

Wenn sich Dozentinnen und Dozenten aus Ghana, Indonesien, Israel, Italien, Kenia, Namibia, Polen, Schweden, Spanien, Sri Lanka, Tschechien, der Türkei, der Ukraine, den USA und Deutschland in Würzburg begegnen, geht es um weit mehr als akademischen Austausch. Die 5. GoTEd+ Week der Professional School of Education brachte vom 23. bis 26. Februar 2026 so viele internationale Gäste wie noch nie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) zusammen. Unter dem Leitmotiv „Teachers together for change“ stand die Frage im Zentrum, wie Lehrkräftebildung auf globale sozio-ökologische Herausforderungen reagieren kann.

Internationalisierung ist mehr als Mobilität

Hans-Stefan Siller sprach als Vertreter des PSE-Vorstands und Verantwortlicher für den Bereich der Internationalisierung an der PSE. Er wies auf die wichtige Rolle des internationalen Austauschs für die Lehrkräftebildung hin und unterstrich die Bedeutung des vom DAAD geförderten Projekts für die internationale Zusammenarbeit: „In der Lehrkräftebildung ist Internationalisierung weit mehr als nur Mobilität oder ein zusätzlicher Programmpunkt“, sagte Siller.

Internationalisierung bedeute auch, einen Perspektivwechsel zu üben, Vergleichsmöglichkeiten zu entwickeln und Vielfalt als Ressource zu verstehen, so Siller. Der Blick in andere Unterrichtssysteme biete die Möglichkeit, fachspezifische und didaktische Konzepte in unterschiedlichen Kontexten zu erproben und globale Themen so zu verankern, dass sie im Unterricht verständlich, diskutierbar und handlungsrelevant werden.

Lehrkräfte sind Brückenbauer

Zuvor hatte Doris Fischer in ihrer Funktion als Vizepräsidentin für Internationalisierung die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Winter School des GoTEd+ Projekts begrüßt. Mit Blick auf die folgende Rednerin, Nataliia Lazenbna aus der Ukraine, hob Fischer hervor, wie wichtig der gegenseitige Austausch und wie gut die Wissenschaftlerin mittlerweile an der JMU eingebunden sei.

Nataliia Lazebna setzte mit ihrer Keynote „Resilient wanderer: A teacher’s global journey“ den inhaltlichen Auftakt des viertägigen Treffens. Ausgehend von ihren Erfahrungen sowohl in der Ukraine als auch in Deutschland zeigte sie, wie Mehrsprachigkeit, Kunst und digitale Lernräume Resilienz fördern können – besonders in Zeiten von Krieg, Flucht und gesellschaftlicher Fragmentierung. Lehrkräfte, so ihre Botschaft, übernehmen eine zentrale Rolle als kulturelle und soziale Brückenbauer.

Blick in die USA und nach Sri Lanka

Cheryl McCarthy und Edwidge Bryant (Flagler College, USA) richteten den Blick auf sogenannte Title-I-Schulen in den Vereinigten Staaten. „Title I“ ist ein bundesweites Förderprogramm in den USA. Es stellt zusätzliche finanzielle Mittel für Schulen bereit, in denen besonders viele Kinder aus finanziell schwachen Haushalten stammen. Ziel ist es, Bildungschancen zu verbessern und Leistungsunterschiede zu verringern. McCarthy und Bryant verdeutlichten in ihrem Vortrag, wie stark Bildungsgerechtigkeit von politischen Rahmenbedingungen abhängt, insbesondere den aktuellen in Florida, und stellten erfolgreiche Mentoringprogramme vor, die benachteiligte Kinder langfristig stärken.

Mit Prabath Ekanayake (University of Peradeniya, Sri Lanka) wurde die globale Perspektive erweitert: Sein Projekt „Teachers together for change“ qualifiziert Lehrkräfte in gendersensibler Pädagogik, um insbesondere Mädchen in strukturschwachen Regionen Sri Lankas bessere Bildungschancen zu eröffnen.

Professionelle Urteilskraft bleibt unverzichtbar

Der zweite Tag der GoTEd+ Week rückte Forschung und Methodik stärker in den Fokus. Arnon Hershkovitz ist Experte für Computational Thinking an der Tel Aviv University in Israel. Er zeigte, wie datenbasierte Entscheidungsprozesse Bildung auf unterschiedlichen Ebenen unterstützen können. Zugleich machte er deutlich, dass professionelle Urteilskraft und ethische Verantwortung unverzichtbar bleiben.

In den Kurzvorträgen wechselte die Perspektive zu Literatur und Sprachen: Kateryna Lut (Ukraine) stellte vor, wie Eco-Literature ökologische Sensibilität und Sprachlernen verbindet, während José Luis Estrada-Chichón und Francisco Zayas Martínez (Spanien) kooperatives lautes Lesen als Weg zu einer reflektierten, inklusiven Interkulturalität im Fremdsprachenunterricht präsentierten.

Beim „Networking for Research“ diskutierten die Teilnehmenden schließlich an vier Thementischen zu Publikationsstrategien, Mehrsprachigkeit, internationalen Forschungsaufenthalten und KI in der Lehrerbildung – intensiv, praxisnah und auf Augenhöhe.

Besuch in der Waldorfschule

Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein Besuch der Freie Waldorfschule Würzburg. Die internationalen Gäste erhielten Einblicke in das waldorfpädagogische Konzept, hospitierten im Unterricht und kamen mit Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern ins Gespräch. Besonders beeindruckt zeigte sich eine Dozentin aus Übersee: „You can truly feel how education here addresses the whole child – head, heart, and hands.“ Auch die Kinder begegneten den Gästen mit großer Neugier und Offenheit.

Die Winter School des GoTEd+ Projekts bietet eine Plattform, bei der sich auch die internationalen Kolleginnen und Kollegen untereinander vernetzen können und weitere Projekte anstoßen können. Im Rahmen des GoTEd+ Projekts findet im Sommersemester 2026 beispielsweise wieder die Online-Ringvorlesung des Netzwerks „Modellprojekte Lehramt.International in Bayern“ statt – mit Beiträgen aus den beteiligten Partneruniversitäten.

Kontakt

Matthias Erhardt (Projektleitung) und Maike Madera (Projektkoordination), goted@uni-wuerzburg.de

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By Angelika Füting-Lippert / PSE

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