Mit Autos und Eiern Physik und Technik begreifen
06/16/2026Lehramtsstudierende der Universität Würzburg haben für einen Schul-Forschertag Lernstationen entwickelt. Ziel war es, beim gemeinsamen Tüfteln die Begeisterung der Schülerinnen und Schüler für MINT-Themen zu wecken.
Automodelle bauen, die möglichst weit rollen, und Eier mit einem Aufprallschutz versehen, der sie einen Absturz unversehrt überstehen lässt – und das mit nur wenigen Alltagsmaterialien: Vor diese Aufgabe sahen sich rund 40 Schülerinnen und Schüler der Jakob-Stoll-Realschule beim Forschertag am 9. Juni 2026 gestellt. Entwickelt hatten die Aufgaben Lehramtsstudierende der Universität Würzburg.
Wochenlang hatten sie sich dafür im Seminar „Hands on: Schul-MINT-Aktionstag planen und begleiten“ darauf vorbereitet – einem Seminar, das die Uni im Rahmen des Projekts „Teachers as Changemakers (TaC)“ angeboten hatte. Aufgabe der Studierenden war es, in Gruppenarbeit MINT-Lernstationen zu entwerfen, bei denen die Schülerinnen und Schüler durch viel Eigenaktivität und Forschergeist MINT-Phänomene erfahren und begreifen. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.
„Praktische Versuche mit Bezug zum Alltag der Kinder bilden eine wichtige Grundlage für das Verstehen von naturwissenschaftlichen oder technischen Themen. Und dadurch wird auch die Motivation gestärkt, sich längerfristig mit MINT-Themen zu beschäftigen und sie nicht mehr als undurchdringlich zu verstehen“, begründet Dr. Korinna Thiem, Koordinatorin des TaC-Projekts am Servicezentrum Forschung & Technologietransfer der Universität Würzburg die Bedeutung solcher Forschertage.
In mehreren Phasen zum erfolgreichen Prototypen
Bei der Station „Autobau“ drehte sich alles um Achsen und Räder – im wahrsten Sinne des Wortes! Die Aufgabe bestand darin, aus Tetrapacks und wenigen Alltagsmaterialien ein Fahrzeug zu konstruieren, das möglichst gerade eine Rampe hinunterfährt und im Anschluss weit rollt.
In der ersten Bauphase entstanden viele kreative Fahrzeuge, darunter ein dreirädriges Auto sowie ein Spider-Auto, welches Wände hinauffährt. Heckspoiler, Nummernschilder und andere Verzierungen durften natürlich auch nicht fehlen. Zunächst testeten die Kinder ihre Prototypen und leiteten ab, welche Eigenschaften dazu führen, dass das Auto ohne Kurven und schnell die Rampe herunterfährt. Und tatsächlich: Die weiterentwickelten Fahrzeuge aus der zweiten Bauphase erfüllten die Kriterien „gerade“ und „schnell“ deutlich besser.
In einem dritten Schritt untersuchten die Kinder methodisch, wie sich der Abstand zwischen Achse und Boden, unterschiedliche Räderarten und auch unterschiedlicher Untergründe auf die zurückgelegte Strecke auswirken. Einige Vermutungen konnten bestätigt werden – Zahnrad-Räder verhaken sich im Teppich, Autos mit Gummirädern sind am schnellsten auf glatten Oberflächen – und einige Vermutungen wurden widerlegt. „So konnten die Kinder spielerisch erfahren, welche Rolle Reibung für die Bewegung eines Fahrzeugs spielt, wann sie erwünscht ist und wann nicht“, fasst Maja Freymuth, Projektmitarbeiterin an der Professional School of Education die Lernerlebnisse der Kinder zusammen.
Die Relevanz für den Alltag der Kinder lag auf der Hand: Warum fahren Autos mit weichen Gummireifen und Inlineskates mit harten? Wie könnte man sich mit einem Auto auf Eis fortbewegen? Und was würde passieren, wenn wir unsere Fahrradreifen durch Holzscheiben austauschen würden?
Tüten als Fallschirm und Schwämme als Stoßdämpfer
Erfindergeist und clevere Lösungsansätze waren bei der Station „Eierexperten“ gefragt: Aufgabe war es, ein Ei so zu schützen, dass es den Fall aus dem ersten Stock unbeschadet übersteht. Im Gegensatz zur Autobau-Station standen den Kindern hier unbegrenzt Materialien zur Verfügung. Die Nachhaltigkeit der Konstruktion war allerdings auch ein Kriterium für den Bau der Schutzvorrichtung.
In Teams wurde fleißig konstruiert: Ob Plastiktüten als Fallschirm, Luftpolsterfolie und Schwämme zur Stoßdämpfung oder stabile Schutzkonstruktionen aus Karton – die Kinder nutzten ihr Alltagswissen, entwickelten kreative Ideen und kombinierten verschiedene Strategien miteinander. So entstanden zahlreiche individuelle Lösungen für dieselbe Herausforderung. Besonders spannend war das Fallenlassen der Konstruktion aus dem ersten Stock und das Auspacken des Eis danach. Die Kinder fieberten mit und hofften, dass ihr Ei unbeschädigt geblieben war. In den meisten Fällen konnten sie jubeln: Sieben von neun Gruppen hatten es geschafft, das Ei ausreichend zu schützen!
Gerahmt wurde der Forschertag durch einen gemeinsamen Einstieg und eine gemeinsame Reflexion.
„Teachers as Changemakers (TaC)“ ist ein Verbundprojekt der Universitäten Würzburg und Bamberg. Es verfolgt das Ziel, sozialunternehmerisches Denken und Handeln durch Lehrkräfte und Lehramtsstudierende als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren an die Schulen zu bringen und somit die Welt von Morgen nachhaltig zu verändern. An der Universität Würzburg sind am Projekt die Gründungsförderung am Servicezentrum Forschung und Technologietransfer und die Professional School of Education beteiligt.
Kontakt
Dr. Korinna Thiem; Servicezentrum Forschung und Technologietransfer, T +49 931 31-89957; korinna.thiem@uni-wuerzburg.de
