Neue Perspektiven auf Englischlehrwerke
07/07/2026Rund 60 Lehrkräfte, Lehramtsstudierende und weitere Interessierte kamen in Würzburg zusammen, um sich über dekoloniale Perspektiven auf Englischlehrwerke, digitale Unterrichtskonzepte und Zugänge zum Lernen auszutauschen.
Wie können Englischlehrwerke den Anforderungen einer vielfältigen, digital vernetzten Welt gerecht werden? Mit dieser Frage beschäftigte sich der 11. TEFL Day am 11. Juni 2026 an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). TEFL steht für „Teaching English as a Foreign Language“. Die vom Lehrstuhl für Fachdidaktik – Moderne Fremdsprachen organisierte Tagung brachte rund 60 Lehrkräfte, Lehramtsstudierende und weitere Interessierte zusammen. Im Mittelpunkt standen aktuelle Forschungsimpulse, der Austausch zwischen Universität und Schule sowie praxisorientierte Workshops.
Lehrwerke aus dekolonialer Perspektive
Nach der Begrüßung durch Professorin Maria Eisenmann (Lehrstuhl für Fachdidaktik) eröffnete Dr. Rebecca Dengler (Humboldt-Universität zu Berlin) die Tagung mit ihrem Plenarvortrag „Kritische Lehrwerkanalyse aus dekolonialer Perspektive“. Dabei machte sie deutlich, dass Schulbücher weit mehr vermitteln als sprachliche Inhalte: „Englischlehrwerke sind niemals nur Englischlehrwerke“, betonte Dengler. Anhand ausgewählter Beispiele zeigte sie, wie Lehrwerke gesellschaftliche Perspektiven prägen und historische Machtverhältnisse mitunter unreflektiert fortschreiben. Diskutiert wurden unter anderem Darstellungen kolonialer Geschichte, die Rolle des Passivs bei der Verschleierung von Verantwortlichkeiten sowie die Frage, welche Varietäten des Englischen in Lehrwerken als Norm gelten. Außerdem stellte Dengler Ergebnisse aus der Lehrerbildung vor, bei denen Studierende Englischlehrwerke kritisch analysierten – ein wichtiger Schritt für die Professionalisierung angehender Lehrkräfte.
Der Vortrag führte zu einer lebhaften Diskussion, die beim anschließenden kollegialen Austausch fortgesetzt wurde. Gerade die Mischung aus Lehrkräften und Lehramtsstudierenden wurde von den Teilnehmenden als besonders bereichernd wahrgenommen und ermöglichte einen intensiven Dialog zwischen universitärer Lehrerbildung und schulischer Praxis. Während der Pausen boten die Verlagsausstellungen Gelegenheit, sich über aktuelle Lehrwerke und digitale Unterrichtsmaterialien zu informieren und mit den Verlagsvertreterinnen ins Gespräch zu kommen.
Neue Impulse für den Unterricht
Am Nachmittag standen praxisorientierte Workshops im Mittelpunkt. Georg Schlamp (Ernst Klett Verlag) zeigte anhand zahlreicher Beispiele aus seinem eigenen Unterricht, wie sich Lehrbuchinhalte mithilfe digitaler Werkzeuge und Künstlicher Intelligenz kreativ erweitern lassen – etwa durch die Erstellung von Filmtrailern oder interaktiven Lernformaten. Henning Peppel (Cornelsen Verlag) widmete sich der Verbindung von Bewegung und Lernen und stellte Methoden vor, mit denen Unterrichtsinhalte durch körperliche Aktivität und emotionale Beteiligung nachhaltig gefestigt werden können.
Der jährlich stattfindende TEFL Day machte erneut deutlich, wie wichtig der Austausch zwischen Wissenschaft, Lehrerbildung und Schulpraxis für die Weiterentwicklung des Englischunterrichts ist. Die Teilnehmenden nahmen Anregungen aus aktuellen Forschungsansätzen ebenso mit wie konkrete Ideen für den Unterricht.
Kontakt
Prof. Dr. Maria Eisenmann, Leiterin des Lehrstuhls für Fachdidaktik – Moderne Fremdsprachen, Tel. +49 931 31-88529, maria.eisenmann@uni-wuerzburg.de
Dr. Jennifer Meier, Lehrstuhl für Fachdidaktik – Moderne Fremdsprachen, Tel. +49 931 31-88529, jennifer.meier@uni-wuerzburg.de
