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Faculty of Medicine

Neue DFG-Forschungsgruppen am Start

07/02/2026

Gute Quote für die Universität Würzburg: Sie ist an drei von zehn Forschungsgruppen beteiligt, deren Einrichtung oder Verlängerung die Deutsche Forschungsgemeinschaft jetzt bewilligt hat.

Erfolg für Forschende aus den Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften sowie der Informatik an der JMU: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat ihre Anträge auf neue Forschungsgruppen bewilligt oder bestehende Forschungsgruppen verlängert. Insgesamt richtet die DFG fünf neue Forschungsgruppen ein und fördert diese mit insgesamt 27 Millionen Euro; fünf weitere Gruppen gehen in die Verlängerung.

Forschungsgruppen ermöglichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sich aktuellen und drängenden Fragen ihrer Fachgebiete zu widmen und innovative Arbeitsrichtungen zu etablieren. Sie werden bis zu acht Jahre lang gefördert. Aktuell fördert die DFG 186 Forschungsgruppen, sieben Klinische Forschungsgruppen und 16 Kolleg-Forschungsgruppen.


Semantic shifts in low-resource domains

Neu eingerichtet wird an der Universität Würzburg an den zentralen Einrichtungen CAIDAS (Center for Artificial Intelligence and Data Science) und ZPD (Zentrum für Philologie und Digitalität) die Forschungsgruppe „Semantic shifts in low-resource domains“ (SILD). Sprecher sind die Professoren Fotis Jannidis, Inhaber des Lehrstuhls für Computerphilologie und neuere deutsche Literaturgeschichte der Universität Würzburg, und Andreas Hotho, Inhaber des Lehrstuhls für Informatik X (Data Science).

Was die interdisziplinäre Gruppe untersucht: Wie wandelt sich Sprache im Lauf der Geschichte – in historischen Texten, literarischen Werken und wissenschaftlichen Diskursen? Lassen sich die Veränderungen mit KI automatisch erkennen? Das Team entwickelt neue Sprachmodelle (Large Language Models), um sprachliche Bedeutungsverschiebungen zusammen mit den geisteswissenschaftlichen Fächern aufzuspüren, in denen nur geringe Datenmengen zur Verfügung stehen und so neue Erkenntnisse im Fach zu ermöglichen.

Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Bedeutungswandel von Ausdrücken, die aus einem oder mehreren Wörtern bestehen und zusammen eine eigene Bedeutung ergeben. Die KI muss lernen, diese Wort-Puzzles im Kontext von zeitgenössischen Texten zu erkennen. Dafür kommen aktuelle KI-Methoden der großen Sprachmodelle wie die Transformer-Architektur und Wissensgraphen, aber auch Transfermethoden zum Einsatz – und nicht zuletzt auch innovative Formen der Visualisierung dieser Daten.

Drei geisteswissenschaftliche Teams arbeiten in SILD an der Untersuchung von sprachlichem Wandel:

  • Anhand von 800 deutschsprachigen Dramen aus der Zeit zwischen 1650 und 1830 wird die Veränderung der Moralsprache untersucht;
  • anhand der lateinischen Übersetzungen aus dem Arabischen wird untersucht, wie sich das mittelalterliche Latein veränderte;
  • anhand von Zeitungen aus Hong Kong wird analysiert, wie sich dort eine spezifische Form des Englischen entwickelte.

Neben den Teams der beiden Sprecher sind an der Gruppe beteiligt:

  • Professorin Carolin Biewer, Englische Sprachwissenschaft, Universität Würzburg,
  • Dr. Katrin Dennerlein, Deutsche Literaturwissenschaft, Universität Würzburg,
  • Professorin Stephanie Evert, Computational Linguistics, Universität Erlangen-Nürnberg,
  • Professor Goran Glavaš, Natural Language Processing, Universität Würzburg
  • Professor Dag-Nikolaus Hasse, Geschichte der Philosophie, Universität Würzburg
  • Professor Daniel Keim, Visual Analytics, Universität Konstanz.

Kontakt

Prof. Dr. Andreas Hotho, Universität Würzburg, Lehrstuhl für Informatik X (Data Science)
T +49 931 31-88453, andreas.hotho@uni-wuerzburg.de

Prof. Dr. Fotis Jannidis, Universität Würzburg, Lehrstuhl für Computerphilologie und neuere deutsche Literaturgeschichte, T +49 931 31-80078, fotis.jannidis@uni-wuerzburg.de


Nachhaltiges Lernen: Kognitive Mechanismen und effektive Umsetzung im Unterricht

Für weitere vier Jahre fortgesetzt wird die Forschungsgruppe „Nachhaltiges Lernen: Kognitive Mechanismen und effektive Umsetzung im Unterricht“, die ihre Arbeit 2022 aufgenommen hat. Sprecher der Gruppe ist Professor Tobias Richter, Inhaber des Lehrstuhls für Psychologie IV der Universität Würzburg; daran beteiligt sind Forschungsteams aus insgesamt elf Universitäten.

„Wir verstehen nachhaltiges Lernen als Lernen, bei dem Wissen nicht nur kurzfristig verfügbar ist, sondern langfristig erhalten bleibt und in neuen Situationen angewendet werden kann“, beschreibt Tobias Richter den Hintergrund des Projekts.

„Wünschenswerte Erschwernisse“ des Lernens

Im Mittelpunkt der ersten Förderphase standen drei „wünschenswerte Erschwernisse“ des Lernens: verteiltes Lernen (Lernphasen über einen längeren Zeitraum statt geballtes Pauken), verschachteltes Lernen (abwechselnde statt geblockte Bearbeitung von sich ähnelnden Inhalten) sowie Abrufübungen des Gelernten.

Diese Lernstrategien erschweren den Lernprozess zunächst, fördern aber langfristig das Behalten und den flexiblen Einsatz von Wissen. Die Forschenden konnten zeigen, dass sie besonders wirksam sind, wenn sie mit verständnisorientierten, generativen Lernstrategien kombiniert werden.

Experimentelle Studien in Schulen geplant

In der zweiten Förderphase knüpft die Forschungsgruppe an diese Erkenntnisse an. Im Mittelpunkt steht nun die Frage, welche kognitiven Prozesse den positiven Effekten der wünschenswerten Erschwernisse beim Lernen im Schulkontext zugrunde liegen und ob und wie Lernende diese Strategien beim selbstregulierten Lernen nutzen können.

Dazu führen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in sieben Teilprojekten experimentelle Studien in Schulen der Primar- und Sekundarstufe in den Fächern Biologie, Mathematik, Deutsch und Physik durch. Ziel ist es, eine wissenschaftlich fundierte Theorie des nachhaltigen Lernens in Bildungskontexten zu entwickeln.

„Trotz des breiten Konsenses, dass nachhaltiges Lernen eines der zentralen Themen der Lehr-/Lernforschung ist, hat sich die empirische Forschung bislang auf eine Untersuchung von Lernergebnissen innerhalb relativ kurzer Zeiträume konzentriert“, sagt Richter. Daher gebe es zu wenig systematische Forschung und kaum Theorien, aus denen sich Empfehlungen ableiten ließen, wie Lernen und Unterricht in der Schule gestaltet werden sollten, um nachhaltiges Wissen zu schaffen. Die Forschungsgruppe trägt dazu bei, diese Wissenslücke zu schließen.

Die weitere Förderung ermöglicht es der Forschungsgruppe, an die wissenschaftlich sehr erfolgreichen Arbeiten der ersten Förderphase anzuknüpfen und diese weiterzuführen.

Webseite der Forschungsgruppe

Kontakt

Prof. Dr. Tobias Richter, Universität Würzburg, Lehrstuhl für Psychologie IV
T +49 931 31-83755, tobias.richter@uni-wuerzburg.de

Dr. Marina Klimovich, Universität Würzburg, Lehrstuhl für Psychologie IV

T +49 931 31-84230, marina.klimovich@uni-wuerzburg.de

Dr. Lea Nemeth, Universität Würzburg, Lehrstuhl für Psychologie IV

T +49 931 31-82482, lea.nemeth@uni-wuerzburg.de


Molekulare Maschinen im Zentrum der Genexpression

Ebenfalls neu bewilligt wurde eine Forschungsgruppe, die sich mit den grundlegenden Mechanismen der Gentranskription befasst. Geleitet wird sie von dem Bayreuther Biochemiker Professor Claus-D. Kuhn und seiner Kollegin Lydia Herzel, Professorin an der Freien Universität Berlin. Mit-Initiator der Gruppe und als Leiter eines Teilprojekts daran beteiligt ist Professor Utz Fischer, Inhaber des Lehrstuhls für Biochemie I der Universität Würzburg.

„Wir werden in den kommenden vier Jahren einen detaillierten Blick auf die molekularen Maschinen werfen, die in Zellen die Transkription steuern – den ersten und wichtigsten Schritt der Genexpression“, erklärt Utz Fischer. Dabei handelt es sich um RNA-Polymerasen mit ihren zahlreichen Untereinheiten, kurz msRNAPs. Diese übersetzen die Informationen aus der DNA in RNA und steuern den gesamten Prozess.

Die Forschungsgruppe will RNA-Polymerasen erstmals über alle Domänen des Lebens hinweg untersuchen – von einfachen Bakterien und speziellen uralten Mikroorganismen über komplexe Zellen wie bei Tieren und Pflanzen und Bestandteile von Pflanzenzellen bis hin zu Viren.

Würzburger Projekt hat Poxviren im Blick

Utz Fischer wird sich in seinem Teilprojekt auf die Polymerase spezieller Viren konzentrieren – der sogenannten Poxviren. Zu ihnen gehören unter anderem Variola-Viren, die Erreger der tödlichen echten Pocken. Als ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet hat Fischer in den vergangenen Jahren die 3-dimensionale Struktur der einzigartigen pockenviralen Polymerase aufklären und somit unerwartete neue Einblicke in die Genexpression dieser wichtigen Virusgruppe erhalten können.

Die Gruppe verfolgt drei wissenschaftliche Ziele:

  • Die molekularen Prinzipien der RNA-Synthese durch msRNAPs über alle Lebensbereiche hinweg aufzuklären.
  • Die regulatorischen Mechanismen zu identifizieren, die Transkriptionsdynamik und -output beeinflussen.
  • Die Erkenntnisse zu übergreifenden Prinzipien zusammenzuführen, die den transkriptionellen Output und dessen Regulation bestimmen.

Die Forschungsgruppe vereint Nachwuchs- und etablierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz Deutschland, darunter von der Universität Bayreuth, der Freien Universität Berlin, der Universität Göttingen, der Leibniz Universität Hannover, der Universität Regensburg, der Universität Würzburg, des Max-Planck-Instituts für multidisziplinäre Naturwissenschaften und des Max-Planck-Instituts für Biochemie.

Kontakt

Prof. Dr. Utz Fischer, Universität Würzburg, Lehrstuhl für Biochemie I
T +49 931 31-84029, utz.fischer@uni-wuerzburg.de

By Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der JMU

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