Jubilarfeier: Bindung in bewegten Zeiten
10/27/2026Zahlreiche Alumni sind am Wochenende zum Jubiläum ihrer Abschlüsse an die Uni zurückgekommen. Viele legten hier nicht nur ihre Prüfungen ab, sondern stellten auch Weichen für ihr Leben.
Von 15 bis 60 Jahren Abschlussjubiläum: Alumni-Generationen aus mehreren Jahrzehnten trafen sich am 24. Oktober 2026 in Würzburg. Rund 350 Absolventinnen und Absolventen waren der Einladung gefolgt und kehrten mit Freundinnen, Freunden und Familien für die Jubilarfeier an ihre ehemalige Uni zurück. Hier erwarteten sie manche vertrauten Wege durch die Fakultäten und eine Feier im Hörsaalgebäude Z6. Dazu kam das Staunen darüber, wie sich der Campus seit den eigenen Studientagen entwickelt hat.
Noch vor den ersten Reden stimmte „Just in Time“ mit Timo Rach und Jennifer Böhm die Anwesenden musikalisch ein. Das Duo aus der Musikpädagogik begleitete den Nachmittag mit Stücken wie „I'm still standing“, „Unwritten“ und „Ich liebe das Leben“. Sie gaben dem Festakt aus Grußworten, Rückblicken und der Überreichung der Jubilar-Zertifikate einen stimmigen und umjubelten musikalischen Rahmen.
JMU-Vizepräsidentin Doris Fischer dankte den Gästen in ihrem Grußwort für ihr Engagement: „Als Botschafterinnen und Botschafter, als Mentorinnen und Mentoren, als Networker und Unterstützende sind Sie für den fruchtbaren Wissenstaustausch und unsere nationale wie internationale Vernetzung von zentraler Bedeutung.“ Der enge Kontakt zwischen Alumni und Universität schaffe Raum für neue Ideen, gemeinsame Projekte und den Austausch vielfältiger Erfahrungen.
Die ersten großen Weichen des Lebens
Würzburgs zweite Bürgermeisterin und JMU-Alumna Sandra Vorlová blickte in ihrem Grußwort auf den Wandel des Hubland-Campus, den viele der früheren Studierenden noch als Kaserne der US-Streitkräfte oder als Großbaustelle in Erinnerung haben.
Sie freute sich über das große Interesse und die enge Verbundenheit der Gäste mit ihrer ehemaligen Uni: „Für viele haben sich hier die ersten großen Weichen in ihrem Lebensweg gestellt“, so die Bürgermeisterin, die vor ihrem Wechsel ins Rathaus in der Biomedizin an der Uniklinik geforscht hat. „Dass Sie heute teils von weit her den Weg zurück nach Mainfranken gefunden haben, verdeutlicht das Band, das die Julius-Maximilians-Universität um uns alle knüpft. Und das nächste Mal“, machte sie den Anwesenden Hoffnung, „kommen wir mit der Straßenbahn ans Hubland!“
Bezugspunkt in bewegten Zeiten
„Wir leben in bewegten Zeiten“, stellte Professor Peter Bofinger, Vorsitzender des JMU Alumni & Friends e.V., in seiner Präsentation fest. Dazu zählte er unter anderem den Krieg in der Ukraine und die aktuellen Umbrüche im Parteiengefüge. „Umso wichtiger sind feste Bezugspunkte!“
Dass die Jubilarinnen und Jubilare der Einladung gefolgt seien, zeige, dass die Universität Würzburg ein solcher Bezugspunkt geblieben sei. Auch die JMU habe einige bewegte Wochen erlebt: zunächst knapp am Exzellenztitel vorbeigeschrammt, erhielt der Würzburger Forscher Georg Nagel kurz darauf den Medizin-Nobelpreis.
In seiner Rede beschwor Peter Bofinger die Alumni nicht als „Ehemalige", sondern als aktiven Bestandteil der Universitätsgemeinschaft: „Sie tragen die Alma Julia hinaus in die Welt der Wissenschaft, der Medizin, der Rechtswissenschaft, der Bildung, der Kunst und in viele andere Welten. Und dafür sind wir Ihnen dankbar!“
Blicke zurück in eine analoge Welt
Den emotionalen Kern des Nachmittags bildeten die Rückblicke einer Absolventin und eines Absolventen.
Ruth Bley, die in den 1970er-Jahren Chemie und Biologie für das Lehramt studierte und vor 50 Jahren ihr Staatsexamen abgelegt hat, führte die Festgemeinde zurück in eine Zeit vor E-Mail und digitalem Vorlesungsverzeichnis: Zu Instituten, die über die Stadt verteilt waren, oder in den berüchtigten „Stinkraum" der Anorganischen Chemie am Röntgenring, dessen Luft von Schwefelwasserstoff, Brom und Chlor geschwängert gewesen sei. Und über den „positiven Kulturschock“ ihres Wechsels an die hochmodernen Labore der damals frisch eröffneten Forschungsgebäude am Hubland. Sie zog Bilanz über eine Studienzeit, die ihr trotz manchen Gestanks sehr gut in Erinnerung bleibt.
Aus einer noch älteren Semestergruppe kam Dr. Hubert Scheuer, der in den 1960ern in Würzburg Medizin studierte. Mit einer 12-PS-Ente und einem Freund im Gepäck fuhr er damals zwölf Stunden von Hamburg nach Würzburg, um sich einzuschreiben. Sein Resümee über den Wandel der Studierendenschaft sorgte für Applaus im Festsaal: War damals nur ein sehr geringer Teil der Medizinstudierenden weiblich, seien Frauen im Fach heute oft in der Mehrzahl vertreten: „Die Frauen sind halt doch schlauer“, so der Medizinier augenzwinkernd in seinem Fazit.
Neues erforschen, Altes wiederentdecken
Im Anschluss stellte Michaela Thiel, Alumni-Beauftragte der JMU, die Gäste mit einem kleinen Quiz rund um die JMU auf die Probe. Nach der Übergabe der Jubilar-Zertifikate verteilte sich die Festgemeinde bei Kaffee, Kuchen und Snacks an die Fakultätstische.
Dort standen Dekaninnen und Dekane sowie Vertreterinnen und Vertreter der Fakultäten für den Austausch zur Verfügung – darunter Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät, der ehemalige Ärztliche Direktor der Universitätsklinik Georg Ertl, der Dekan der Biologie, Martin Müller und Andrea Kübler, Dekanin der Humanwissenschaftlichen Fakultät.
Zum Ausklang des Tages gaben Führungen durch die Fakultäten den Gästen die Gelegenheit, Neues zu erforschen und Altes wiederzuentdecken.
Studium in Würzburg: Nicht bloß Bildungsjahre
Woher die Jubilarinnen und Jubilare auch kamen, ob aus der Region, anderen Teilen Deutschlands oder von weiter her: Gemeinsam war ihnen die Erfahrung, dass die eigenen Studienjahre nicht nur der fachlichen Bildung dienten: „Die Zeit war sehr intensiv“, erinnert sich Katja Kleideiter, die in Würzburg einst Psychologie studiert hat. „Studentenjob, Feiern, Musik machen – und natürlich nebenher das Studium schaffen!“
„Das vielfältige Wissen, den guten Wein, die Landschaft und die freundlichen Menschen“, verbindet Jochen Krenz mit seinem Studium in Würzburg, wo er 2001 den Studiengang zum Gymnasiallehramt abschloss. „Das alles und dazu die reichhaltige Geschichte, die die Stadt geprägt hat!“
Für diejenigen, die heute und in Zukunft studieren, hat Jochen Krenz einen Tipp: „Vertrauen sie ihrer eigenen Intelligenz, nicht bloß der zunehmend künstlichen. Auch wenn der Weg des Nachdenkens, des Lesens und des kritischen Reflektierens nicht immer einfach ist, lohnt es sich.“
Dass Studieren nicht nur den Geist beflügelt, betonten viele Anwesende. Manche Freundschaft hält bis heute und manches Paar hat sich an der Uni gefunden: So wie bei Katja Wolfrum, die in Würzburg ein Lehramts- und Magisterstudium absolviert hat: „Im Studentenleben habe ich sehr gute Freunde gefunden, wir treffen uns bis heute regelmäßig! Und auch meinen Mann habe ich hier in Würzburg kennengelernt.“
Auch Devrim Can, der 2001 sein Examen in Zahnmedizin absolviert hat, hat nicht nur sein berufliches Glück beim Studium in Würzburg gefunden: „Am ersten Tag im Labor kam eine Kommilitonin durch die Türe, in die ich mich spontan verliebt habe. Und heute ist sie meine Frau!“
Mehr als Nostalgie
Insgesamt mehr als 400 Gäste, die nach 15, 25, 50 oder sogar 60 Jahren den Weg an ihre einstige Universität zurückfanden – dahinter steckt mehr als pure Nostalgie. Es ist eine Einladung und ein Versprechen, der Uni auch künftig verbunden zu bleiben: Im Alumni-Netzwerk Uni Würzburg Community, als Impulsgeber für Wissenschaft und Gesellschaft und als Teil einer lebendigen Universitätsgemeinschaft.
