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    Comprehensive Cancer Center Mainfranken

    Erste Antikörper-Therapie für Patienten mit Multiplem Myelom steht vor der Zulassung

    08.07.2015 |
    Prof. Hermann Einsele (rechts) und PD Dr. Stefan Knop zählen zu den Spezialisten für Multiples Myelom am Uniklinikum Würzburg. Vor einem stark vergrößerten Knochenmark-Ausstrichpräparat weist Prof. Einsele auf eine der vielen (violetten) Plasmazellen eines Myelom-Patienten hin. Bei Gesunden darf höchstens jede 20. Knochenmarkzelle eine Plasmazelle sein. (Bild: Universitätsklinikum Würzburg)

    Eine erfolgreiche Phase III-Studie bestätigt die Wirksamkeit des Präparats Elotuzumab bei fortgeschrittenem und/oder Rückfall des Multiplen Myeloms. Das Uniklinikum Würzburg war an der Konzeption, Umsetzung und Interpretation der Studie maßgeblich beteiligt.

    Am 2. Juni dieses Jahres veröffentlichte die hochrenommierte, US-amerikanische Fachzeitschrift „The New England Journal of Medicine“ einen Beitrag über die Erkenntnisse aus der internationalen Phase III-Studie „Eloquent-2“. Im Fokus der Untersuchungen standen Patienten mit Multiplem Myelom (MM), einer bösartigen Krebserkrankung der Plasmazellen. Mehr als 600 Menschen, bei denen sonstige Therapien nicht angesprochen hatten oder bei denen die Krankheit wiedergekehrt war, hatten sich daran beteiligt. Erprobt wurde die Effektivität des monoklonalen Antikörpers Elotuzumab.

     

    Maßgefertigter Antikörper aus dem Labor

    Antikörper sind Eiweißmoleküle, die in der Immunabwehr eine wichtige Rolle spielen. Sie erkennen körperfremde und geschädigte körpereigene Strukturen als sogenannte Antigene. Sie heften sich an ihnen fest und markieren sie, sodass andere Bestandteile der Immunabwehr die markierten Strukturen abbauen können. „Bei Krebszellen funktioniert diese körpereigene Abwehr durch Antikörper meist nur sehr schlecht, da die Tumorzellen so strukturiert sind, dass sie das Immunsystem nicht als fremd oder verändert erkennen kann und sie so vor dem Angriff der Immunzellen geschützt sind“, erläutert Prof. Hermann Einsele, Direktor der Medizinische Klinik und Poliklinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW). Der international anerkannte MM-Experte und Co-Autor der Studie fährt fort: „Deshalb greifen wir auf künstliche, im Labor hergestellte Antikörper zurück. Sie können gezielt auf die Erkennung eines Merkmals hin produziert werden.“ Antikörper, die von einem bestimmten Zellklon hergestellt werden, sind praktisch vollkommen baugleich. Man bezeichnet sie als monoklonale Antikörper.

     

    Elotuzumab wirkt zweifach

    Der für Myelomzellen maßgefertigte Antikörper Elotuzumab setzt sich auf der Oberfläche der Krebszellen fest und bekämpft diese auf zweifache Weise: Zum einen schädigt er sie direkt selbst, zum anderen stimuliert er natürliche Killerzellen und lockt sie zu den Myelomzellen, damit sie diese zerstören. Mit durchschlagendem Ergebnis: Laut der aktuellen Studie kann mit Elotuzumab das Risiko für ein weiteres Fortschreiten der Krankheit und das Sterberisiko um 30 Prozent verringert werden - und das bei äußerst geringen Nebenwirkungen.

     

    UKW maßgeblich beteiligt

    „Die Behandlung mit speziell konstruierten Antikörpern ist bei anderen Krebserkrankungen bereits etabliert. Unsere Myelom-Patienten hingegen warten schon lange darauf, dass eine entsprechende Chance auch für sie endlich verfügbar wird“, berichtet Prof. Einsele. Er und sein Team arbeiten seit mehr als fünf Jahren maßgeblich an der therapeutischen Umsetzung des in den USA entwickelten Wirkstoffs Elotuzumab mit. Prof. Einsele war der Leiter dieser klinischen Studie in Deutschland.

     

    Weitere Patienten zur Therapie schon vorgesehen

    Phase III-Studien sind klinische Studien, bei denen das Arzneimittel an einem größeren Patientenkollektiv erprobt wird, um zu sehen, ob sich die Wirksamkeit und die Unbedenklichkeit auch bei vielen unterschiedlichen Patienten bestätigen lässt. Nach positivem Abschluss der Phase III kann das Medikament nach Antragstellung die Zulassung erlangen. „An diesem Punkt stehen wir jetzt und hoffen auf eine baldige allgemeine Zulassung durch die Behörden in den USA und Europa“, sagt der Krebsexperte Einsele. Doch bis es soweit ist, können weitere Myelomkranke auch jetzt schon von Elotuzumab profitieren. Prof. Einsele: „In der Übergangsphase zwischen der erfolgreichen Studie und der Zulassung stellt die Herstellerfirma das Medikament den beteiligten Krankenhäusern schon für einzelne Patienten zur Verfügung. So rechnen wir damit, dass wir noch in diesem Sommer weitere Myelompatienten mit dem so viel versprechenden Antikörper am Uniklinikum Würzburg therapieren können.“