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    Comprehensive Cancer Center Mainfranken

    Eine Million Stammzelltransplantationen weltweit – Würzburg leistet seinen Beitrag

    20.03.2013 |
    Die Teilnehmer der Pressekonferenz (von links): Dr. Götz Ulrich Grigoleit und Prof. Hermann Einsele (Medizinische Klinik und Poliklinik II), Ulrike Schulz (ehemalige Patientin des Stammzell-Transplantationszentrums), Gabriele Nelkenstock (Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs“), Prof. Christian Speer (Kinderklinik und Poliklinik), Prof. Christoph Reiners (Ärztlicher Direktor) und Prof. Paul-Gerhardt Schlegel (Kinderklinik und Poliklinik).

    Kürzlich wurde bei den weltweiten Stammzelltransplantationen die Marke von einer Million überschritten. Annähernd 1 900 dieser aufwändigen Eingriffe in das blutbildende System der schwerkranken Patienten fanden am Uniklinikum Würzburg statt. Das unterfränkische Großkrankenhaus zählt in diesem Bereich bei Therapieangebot und Forschungsleistung zur deutschen Spitzengruppe.

    Ende Dezember 2012 erhielt der weltweit einmillionste Blutkrebspatient eine Stammzelltransplantation. Das teilte kürzlich das Worldwide Network for Blood and Marrow Transplantation (WBMT, Bern) mit. „Das Überschreiten dieser einprägsamen Marke macht deutlich, dass die Stammzelltransplantation längst den Bereich der seltenen oder gar experimentellen Verfahren verlassen hat. Stattdessen ist sie eine für viele Patienten mit Leukämien, Lymphomen und weiteren gefährlichen Krankheiten bewährte und chancenreiche Therapieoption“, betont Prof. Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik II für Hämatologie und Onkologie am Universitätsklinikum Würzburg (UKW).

    250 Stammzelltransplantationen pro Jahr

    Am Würzburger Großkrankenhaus werden jährlich um die 250 Stammzelltransplantationen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen durchgeführt. Bei einem bundesweiten Vergleich des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands rangierte das UKW damit im Jahr 2011 auf Platz Fünf hinter Heidelberg, Berlin, Essen und Hamburg. Insgesamt haben in Würzburg bisher knapp 1 900 Patienten eine Stammzelltransplantation erhalten.

    Später Einstieg – aber mit Macht

    „Diese Leistung ist umso bemerkenswerter, wenn man in Betracht zieht, dass wir vergleichsweise spät in die Stammzelltherapie und -forschung eingestiegen sind“, kommentiert Prof. Christoph Reiners, der Ärztliche Direktor des Würzburger Universitätsklinikums. Er bezieht sich damit auf die Inbetriebnahme des Stammzell-Transplantationszentrums seines Klinikums im Jahr 2005 ‑ zu einem Zeitpunkt, an dem manch anderer Standort bereits einen jahrzehntelangen Vorsprung auf diesem Feld hatten. Der hochmoderne Neubau auf dem Würzburger Klinikumsgelände, gepaart mit einer hohen Expertise der dort arbeitenden Spezialisten, war jedoch ein Einstieg mit Macht.

    Allogene Transplantationen: Von 0 auf 100 in fünf Jahren

    Die Initiative zur Gründung des Zentrums kam ab den späten 1990er Jahren zu großen Teilen vom Direktor der Kinderklinik, Prof. Christian P. Speer. „Der Start des Zentrums im Jahr 2005 war speziell für die allogene Stammzelltransplantation in Würzburg eine Initialzündung“, sagt Prof. Paul-Gerhardt Schlegel, der Leiter der Stammzelltransplantation in der Kinderheilkunde des UKW. Im Gegensatz zur autologen Stammzelltransplantation, bei der blutbildende Zellen des Patienten selbst verwendet werden, stammt bei der allogenen Stammzelltransplantation das Zellmaterial von einem anderen Menschen. Während diese Behandlungsoption vor dem Jahr 2005 in Würzburg quasi nicht zur Verfügung stand, werden aktuell pro Jahr etwa 110 Patienten mit Spenderzellen therapiert. „In der Summe haben wir im vergangenen Jahr die Marke von 650 allogenen Stammzelltransplantationen überschritten“, zeigt sich Prof. Schlegel stolz.

    21 Millionen Spender weltweit

    Für die „Erfolgsgeschichte Stammzelltransplantation“ essentiell ist die Bereitschaft zur freiwilligen Stammzellspende. Auch hier wurde kürzlich eine einprägsame Marke passiert: Laut dem Zentralen Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD, Ulm) gibt es seit Februar dieses Jahres weltweit mehr als 21 Millionen registrierte, potenzielle Stammzellenspender. 

    Auch Nabelschnurblut-Transplantationen im Repertoir

    Speziell für Patienten, für die trotz dieser große Zahl kein passender Spender gefunden werden kann oder bei denen eine „herkömmliche“ Stammzelltherapie bereits gescheitert ist, bietet das Universitätsklinikum Würzburg hochinnovative Sonderformen der Stammzelltransplantation an. So ist das UKW ist eine der wenigen medizinischen Einrichtungen in Deutschland, die Nabelschnurblut-Transplantationen durchführen können. „Der große Vorteil der Nabelschnurblut-Transplantation besteht darin, dass ein sehr unreifes Immunsystem übertragen wird, so dass Abstoßungsreaktionen minimiert werden können“, erläutert Prof. Einsele.

    Hohe Forschungskompetenz

    Bei der akuten myeloischen Leukämie, einer der „klassischen“ Indikationen für eine Transplantation, verbessert die Stammzelltherapie die Heilungschancen auf etwa 60 Prozent. Allerdings dürfen die Risiken von Infektionen, Abstoßungsreaktion und Krankheitsrückfällen nach wie vor nicht unterschätzt werden. Deshalb müssen Therapie und Transplantationsverfahren weiter verbessert werden. „Im Zentrum der Forschungsbemühungen steht, die Abwehrleistung des Stammzelltransplantats gegen Tumorzellen und Infektionserreger zu erhöhen“, berichtet Prof. Einsele und fährt fort: „Aktuell haben wir zum Beispiel ein großes EU-Forschungsprojekt eingeworben, in dem es darum geht, Zellen, die Infektionen und Tumore bekämpfen, anzureichern und Zellen, die den Transplantationsverlauf durch Abstoßungsreaktionen beeinträchtigen, möglichst zu eliminieren.“

    Spendengelder schieben an und halten am Laufen

    Onkologische Spitzentherapie und -forschung gibt es nicht zum Nulltarif. Glücklicherweise wird das Würzburger Uniklinikum bei diesen Aufgaben unterstützt von hochengagierten wohltätigen Organisationen. Hierzu zählt der von Gabriele Nelkenstock gegründete Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs". Er hat auf der Basis von Spenden- und Sponsorengeldern beispielsweise die Anschubfinanzierung für das Stammzelltherapie-Zentrum erbracht und gezielt neue Behandlungsmethoden, wie die Nabelschnurblut-Transplantation, gefördert. Parallel dazu hat auch die Elterninitiative leukämie- und tumorkranker Kinder Würzburg e.V. den Aufbau des Stammzell-Transplantationszentrums und des gesamten Bereichs der Kinderstammzelltransplantation in den vergangenen Jahren kontinuierlich unterstützt.

    „Ich war überrascht und dankbar, dass es im Stammzell-Transplantationszentrum des Würzburger Uniklinikums heimatnah eine so großartige Therapieoption für mich gab.“ Ulrike Schulz, Patientin, die im Jahr 2006 erfolgreich am UKW behandelt wurde.

    Um auch in Zukunft schnell und unbürokratisch notwendige Projekte verwirklichen können, freuen sich die Organisationen über weitere Spenden:
    Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V., Castell Bank Würzburg, BLZ 790 300 01, Konto-Nr. 9245.
    Elterninitiative leukämie- und tumorkranker Kinder Würzburg e.V., Liga-Spar- und Kreditgenossenschaft eG, Würzburg, BLZ 750 903 00, Konto-Nr. 300 2012

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