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Lehrklinik

OSCE

Objective Structured Clinical Examination

Ein besonderes Prüfungsformat für klinische Kompetenzen

Die klinisch-praktische Prüfung in Form der Objective Structured Clinical Examination (OSCE) ist eine Prüfungsmethode, die in der medizinischen Ausbildung eingesetzt wird. Es handelt sich um eine standardisierte, realitätsnahe und praxisorientierte Prüfung, bei der die Fähigkeiten und Kompetenzen von Studierenden in einem simulierten klinischen Umfeld beurteilt werden. Die Prüfung erfolgt an einer Reihe von Stationen, die in einem Parcours aufgebaut sind. Die Studierenden bewältigen verschiedene Aufgaben in klinischen Szenarien, die sie in einer begrenzten Zeit lösen. Die Bewertung der Leistung erfolgt anhand vordefinierter Checklisten bzw. Beurteilungsbögen, die die Prüfenden über Tablets verwenden. Dieses Prüfungsformat kommt in den Studiengängen Humanmedizin und Hebammenwissenschaft zum Einsatz.

PKU-OSCE

Im Praktikum Klinische Untersuchungsmethoden (PKU) werden Anamneseerhebung, körperliche Untersuchung und ärztliche Basisfertigkeiten vermittelt und mit der OSCE im 5. Semester überprüft. Damit ist gesichert, dass die Studierenden diese Kompetenzen in Anbetracht der bevorstehenden klinischen Praktika und Famulaturen auf einem standardisierten Niveau ausüben. Der PKU-OSCE besteht aus 5 Stationen mit jeweils 8 Minuten Prüfungs- und 2 Minuten Wechselzeit. Für die realistische Anamneseerhebung kommen geschulte Simulationspersonen zum Einsatz. Praktische Fertigkeiten werden an Phantomen demonstriert (z.B. Blutentnahme, Legen einer peripheren Venenverweilkanüle). Die Prüfung findet jedes Semester über die Dauer von zwei Tagen statt (zweite Hälfte Januar für das Wintersemester bzw. Juli für das Sommersemester).

PJ-Reife-OSCE

Dieser OSCE wurde erstmals im Wintersemester 2019/2020 implementiert. Die Prüfung findet im 10. Semester statt, also im ausgehenden klinischen Studienabschnitt und vor Eintritt in das Praktische Jahr (PJ). Die Studierenden durchlaufen einen Parcours aus 10 Stationen mit Aufgaben (pro Station 10 Minuten Prüfungszeit, anschließend 2 Minuten zum Wechseln). Die Prüflinge stellen ihre erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten in komplexen klinischen Szenarien unter Beweis, die den Entrustable Professional Activities des Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalogs zugeordnet sind.

Die Prüfenden beobachten und bewerten die Studierenden in Bezug auf Diagnosestellung, klinische Entscheidungsfindung, ärztliche Kommunikation und Beratung von erkrankten Personen. Praktische Fertigkeiten werden in komplexen Situationen abgeprüft. Dazu gehört z.B. eine Wundversorgung bei einer Patientin bzw. einem Patienten nach Schnittverletzung. Hierbei erfolgt die Kommunikation mit einer Schauspielperson und die Hautnaht am Phantom aus Silikon. In der Pädiatrie wird mit einem Elternteil gesprochen und eine Kinderpuppe untersucht. Die Prüfung findet grundsätzlich immer in der letzten Semesterwoche, über die Dauer von zwei Tagen (i.d.R. Dienstag & Mittwoch) statt.

(SoSe 2024 → 16./17. Juli 2024; WS 24/25 → 4./5. Februar 2025; SoSe 2025 → 22./23. Juli 2025)

Die Prüfungsleistungen gehen zu einem Anteil in die Noten der Blockpraktika ein.

Neben den etablierten Prüfungsstationen werden an der Medizinischen Fakultät auch neue Umsetzungsformate erforscht. So wurde im Sommersemester 2023 erstmals ein Virtual Reality-basiertes Prüfungsszenario im PJ-Reife OSCE implementiert. Vorteile sind z.B. eine realistische und standardisierte Darstellung relevanter Notfälle und eine objektive digitale Erfassung von Prüfungsleistungen. Auf diese Weise können Lehre und Prüfungen zukünftig noch praxisrelevanter und nachhaltiger gestaltet werden.

In diesem Video wird der Ablauf des PJ-Reife OSCEs übersichtlich geschildert.

OSCE in der Hebammenwissenschaft

Im Studiengang Hebammenwissenschaft befinden sich OSCE-Prüfungen zur Beurteilung praktischer und kommunikativer Fertigkeiten im Aufbau. Die Parcoursprüfung wird sowohl im Rahmen von curricularen Prüfungen als auch in der staatlichen Abschlussprüfung eingesetzt. Am Anfang des Studiums werden zunächst Basisfertigkeiten wie Handgriffe für die Leitung des Geburtsprozesses oder die Anleitung korrekter Stillpositionen abgeprüft. In höheren Semestern werden, wie auch in der staatlichen Abschlussprüfung, komplexere Situationen aufgegriffen. Hierzu gehören das Management eines Nabelschnurvorfalls und einer Blutung nach der Geburt. Auch die Beratung in anspruchsvollen Situationen, wie die Begleitung von Eltern bei Erkrankung oder Verlust eines Kindes, kann in den Prüfungen unter Simulationsbedingungen thematisiert werden.