Intern
    Institut für Rechtsmedizin

    Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

    Dr. med. Katharina Jellinghaus
    - Leiterin der Arbeitsgruppe -
    katharina.jellinghaus@uni-wuerzburg.de 

    Charlotte Scherer
    0931 - 3186355
    charlotte.scherer@uni-wuerzburg.de 

    Thema

    Bei der forensisch-anthropologischen Begutachtung von unbekannten Knochenfunden ist neben den Fragen nach Geschlecht, Alter, Zeichen von Gewalteinwirkungen und Individualitätsmerkmalen auch die nach der Liegezeit des oder der Knochen(-teile) zu beantworten. Dies ist von weittragender rechtlicher Bedeutung, da die Verfolgbarkeit einer Straftat, ausgenommen Völkermord und Mord, abhängig von der Schwere der Strafandrohung nach 3, 5, 10, 20 oder 30 Jahren verjährt (§ 78 StGB). In der Regel wird seitens der Kriminalpolizei bis zu einer Liegezeit eines Knochens von 30 Jahren oder weniger ermittelt (sog. forensisch relevante Liegezeit). Jedoch erweist es sich aufgrund des sehr unterschiedlichen Erhaltungszustandes der Knochen(-teile) immer wieder als schwierig, eine genaue Aussage hinsichtlich der Liegezeit zu treffen. Der Erhaltungszustand eines Knochens wird maßgeblich von den Liegebedingungen des umgebenden Bodenmilieus beeinflusst; sie sind letztendlich entscheidender für den Zustand eines Knochens als die Liegezeit selbst. Die bestehenden diagnostischen Unsicherheiten haben zur Folge, dass Knochenfunde häufig als zu alt oder jung geschätzt werden. Dies wiederum zieht ermittlungstechnische Konsequenzen nach sich. Ziel der Studie ist, das Methodenspektrum zur Liegezeitschätzung menschlicher Knochen zu erweitern und zu verbessern. Dazu werden bereits bestehende Methoden zur Liegezeitschätzung an Knochen mit bekannter Liegezeit überprüft und im Zusammenspiel mit neuen Verfahren dazu verwandt werden, kostengünstige Routineparameter für den rechtsmedizinischen Alltag zu entwickeln, die im Falle eines unbekannten Knochenfundes zur Anwendung kommen können. Dabei wird besonderer Wert auf die Analyse der den Knochen umgebenden Bodenparameter (pH-Wert, Korngrößenverteilung, Wasserdurchlässigkeit, Wassergehalt) gelegt. Beispiele für die bislang an menschlichen und tierischen Knochen angewandten Methoden sind: Fluoreszenzmethode, histologische Untersuchungen, DNA-Degradation, Knochendichtemessung, Kollagendegradation, Citratgehaltbestimmung im Knochen, Röntgenfluoreszenzanalyse, C14-Analyse.

    Ein weiteres osteologisches Forschungsprojekt beschäftigt sich mit dem Datenbankaufbau mit Skelettmaßen moderner, europäischer Individuen als Referenzpopulation für die forensische Software Fordisc und der Erforschung säkularer Trends an Schädeln moderner deutscher Individuen von 1795 bis 1995. Im Rahmen der Studie erfolgt ein systematischer Datenbankaufbau mit Skelettmaßen moderner, europäischer Individuen. Die Datengewinnung erfolgt durch digitale Vermessung von Skeletten aus internationalen Schädel- und Skelettsammlungen und von Schädeln aufgelassenen Gräbern mit einem 3D-Scanner. Die Daten werden konkret für folgende Untersuchungen verwendet:

    1. Erweiterung der Datengrundlage für Fordisc. Fordisc ist eine seit über zwei Jahrzehnten in den USA weit verbreitete und u.a. vom FBI genutzte Identifizierungssoftware, die durch multivariate Analyseverfahren auf der Grundlage verschiedener Maße eines unbekannten, menschlichen Skelett(-teil)s Hinweise auf Herkunft, Geschlecht und Körpergröße des Individuums geben kann. Die Ergebnisse von Fordisc sind bei der Anwendung an europäischen Individuen bislang eingeschränkt, da sie durch den Vergleich mit Maßen bekannter, amerikanischer Individuen aus zwei großen Referenzpopulationen erzeugt werden. Durch eine Erweiterung der Referenzpopulationen mit europäischen Individuen wird eine valide Datengrundlage für den Einsatz von Fordisc in Deutschland geschaffen. Damit soll die Methodik zur Identifizierung unbekannter Knochenfunde, die in der forensischen Praxis eine relativ häufige Fragestellung darstellt, verbessert werden.
    2. Feststellung säkularer Trends. Ein säkularer Trend beschreibt morphologische Veränderungen in der körperlichen Entwicklung wie etwa die Zunahme der Körpergröße oder auch eine veränderte Schädelform. Säkulare Trends vollziehen sich innerhalb weniger Generationen und sind von unterschiedlichen Faktoren wie etwa der Ernährungssituation und der Gesundheitsfürsorge abhängig. In der Studie werden säkulare Trends im Sinne morphologischer Veränderungen des Schädels zwischen 1795 und 1995 an modernen deutschen Individuen untersucht und die Ergebnisse mit amerikanischen und europäischen Populationen aus derselben Zeitspanne verglichen.

    Kooperationspartner der osteologischen Arbeitsgruppe sind das Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Universitätsklinikums Würzburg, das Institut für Anthropologie der Universität Freiburg, das Landesamt für Geologie Baden-Württemberg, die Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, das Forensic Anthropology Center der University of Tenneseee in Knoxville und GMP - Geotechnik GmbH & Co. KG Beratende Ingenieure und Geologen in Würzburg.

    Publikationen

    Sterzik V, Jung T, Jellinghaus K, Bohnert M: Estimating the postmortem interval of huma skeletal remains by analyzing their optival behaviour. Int J Legal Med 130: 1557 – 1566 (2016)

    Manthey L, Jantz RL, Bohnert M, Jellinghaus K: Secular change of sexually dimorphic cranial variables in Euro-Americans and Germans. Int J Legal Med 131: 1113 - 1118 (2017)    

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