piwik-script

Intern
    Institut für Rechtsmedizin

    Postmortale Liquordiagnostik

    Thema

    Liquor cerebrospinalis (Cerebrospinal fluid, CSF) ist in der klinischen Diagnostik wie beispielsweise bei der Diagnostik von neurologischen Erkrankungen ein häufig verwendetes Untersuchungssubstrat, da diese ohne Barrieren mit dem Extrazellulärraum des Zentralen Nervensystems (ZNS) kommuniziert, und ihre Analyse neuropathologische Untersuchungen komplementiert. Durch ihre anatomisch geschützte Lage im Schädelinneren und im Spinalkanal ist die CSF ein sehr stabiles, von frühen postmortalen Veränderungen vergleichsweise wenig beeinflusstes Untersuchungsmaterial, dessen Entnahme durch Subokzipitalpunktion oder Asservierung nach Hirnentnahme leicht in den Obduktionsablauf integriert werden kann und somit die neuropathologische Befundung ergänzt.

    In unserem Forschungsprojekt untersuchen wir postmortal entnommene CSF analog zu klinischen Fragestellungen im Hinblick auf die Zellzahl und Zellart. Besonderes Augenmerk liegt darauf, immunhistochemische Färbungen, die erfolgreich am Hirngewebe angewendet werden, auf postmortale CSF in Form von immuncytochemischen Färbungen zu übertragen, und die Korrelation zwischen Gewebsreaktion des Gehirns und zellulärer Reaktion der CSF zu vergleichen. So konnten wir die Anwendung von immuncytochemischen Färbungen insbesondere der ortständigen Mikroglia (TMEM119) zeigen und in unserem Institut die postmortale Liquorzytologie und-immuncytochemie etablieren.

    In einem weiteren Forschungsprojekt beschäftigen wir uns damit, die klinische Anwendung von sogenannten Biomarkern auf postmortale CSF zu übertragen. In der Klinik wurde beispielsweise zur Beurteilung der primären und sekundären Hirnschädigung nach Schädel-Hirn-Trauma (TBI) getestet, ob eine Bestimmung der Konzentration zentralnervöser Biomarker im Liquor dazu eingesetzt werden kann, TBI sowie neuropathologische Veränderungen des Hirnparenchyms zu diagnostizieren. Bisher wurden dafür überwiegend Strukturproteine der Zellkompartimente des ZNS im Serum und im CSF als Marker einer akuten Traumareaktion analysiert. Unsere bisherigen Erfahrungen bestätigen auch hier die Stabilität bzw. Autolyseresistenz der CSF als weitere diagnostische Säule bei der Befundung von TBI insbesondere dem diffusen axonalen Trauma, welches bei der Obduktion keine sichtbaren, augenscheinlichen Veränderungen am Hirngewebe hinterlässt und dadurch unentdeckt bleiben kann.

    Darüber hinaus testen wir in einem vollkommen neuen Ansatz die klinische Anwendung des Metaboloms, die sogenannte Metabolomik, die durch die Erstellung von Metaboliten-Profilen in biologischen Proben pathophysiologische Zusammenhänge wie die Entstehung von Krankheiten oder die Traumatisierung von Gewebe auf biochemischer und damit auf funktioneller Ebene nachvollziehen kann. Perspektivisch ist es denkbar, dass die Metabolom-Analyse in postmortalen Körperflüssigkeiten insbesondere der autolysestabiler CSF als weitere diagnostische Säule („liquid autopsy“) bei der Bewertung der wahrscheinlichen Todesumstände dienen und als Erweiterung des forensischen Diagnostik-Methodenspektrums von neuropathologischen Abläufen des ZNS („Neuroforensomics“) angesehen werden kann.