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    Institut für Rechtsmedizin

    Thema

    Während im klinischen Alltag die Entnahme und Untersuchung von Liquor cerebrospinalis beim Verdacht auf neurologische, neurotraumatologische oder psychiatrischen Erkrankungen ein routinemäßiges Verfahren darstellt, spielt die Liquordiagnostik bei Verstorbenen im Rahmen rechtsmedizinischer Untersuchungen eine vergleichsweise geringe Rolle. Liquor wurde früher als Substrat für postmortale biochemische Analysen herangezogen– etwa zur Diagnostik von Stoffwechselprozessen oder zur Eingrenzung des Todeszeitpunktes – es zeigte sich jedoch, dass die Ergebnisse zu starke Streuungen aufwiesen, als dass sie verlässliche Aussagen zuließen. Weiterhin wird Liquor aktuell als für toxikologische Untersuchungen verwendet.

    In unserem Forschungsprojekt untersuchen wir postmortal entnommenen Liquor cerebrospinalis analog zu den klinischen Fragestellungen im Hinblick auf Zellzahl und Zellart, auf die Beurteilung der Schrankenfunktion sowie zur Beschaffenheit der Zellen im Zusammenhang mit der postmortalen Liegedauer. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Anwendung von immunhistochemischen Markern wie GFAP, CD68, iNOS, CD206 CCR2und TMEM119, die bislang vor allem am Hirngewebe zur Darstellung von traumatischen bzw. pathologischen Prozessen dienen. 

    Es zeigt sich bislang, dass eine Auswertung hinsichtlich Zellzahl und Zellbeschaffenheit auch noch bis zu 7 Tagen post mortem möglich ist, wenn der Leichnam gekühlt wurde und der Cytospin innerhalb von 2 Stunden nach Entnahme des Liquors durchgeführt wird. Die übliche Anfärbung der Zellen nach Pappenheim gelingt und lässt eine Differenzierung der Zellarten regelmäßig zu. Nach Adaptation der Färbeverfahren lassen sich auch immunhistochemische Färbungen zur Differenzierung der Zellen anwenden.

    Die klinisch-chemischen Untersuchungen auf Albumin bzw. Gesamteiweiß, Glucose und Lactat geben Hinweise auf prämortale und agonale Stoffwechselprozesse und auf Störungen der Blut-Hirn-Schranke. So findet sich regelmäßig Albumin im Liquor. Eine erhöhte Konzentration von Glucose und Lactat im Liquor kann nicht nur Ausdruck einer diabetischen Stoffwechsellage sein, sondern es scheint auch einen Zusammenhang mit der Ausprägung des Hirnödems zu geben.

    Nach unseren Erfahrungen ist die postmortale Liquoruntersuchung ein schnell durchführbares und kostengünstiges Verfahren zur Diagnostik von neuropathologischen und neurotraumatologischen Veränderungen.