Was Mwanza und Würzburg verbindet
09.06.2026Brückenschoppen, Störche und Stadtklänge: Diese und weitere Gemeinsamkeiten Mwanzas und Würzburgs zeigt eine Ausstellung der Uni Würzburg bis zum 30. Juni zur 60-jährigen Städtepartnerschaft im Rathaus.
Mehr als 6200 Kilometer liegen zwischen Mwanza, der zweitgrößten Stadt Tansanias, und Würzburg. Trotz der räumlichen Distanz pflegen die beiden Großstädte seit 60 Jahren eine enge Partnerschaft. Zum Jubiläum haben Studierende und das Afrika-Kompetenzzentrum der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) eine Ausstellung entwickelt. Sie zeigt, wie das gesellschaftliche Leben in den Städten aussieht und was sie miteinander verbindet.
Interessierte können die Ausstellung „Leben mit Wissenschaft: Geschichten aus Mwanza & Würzburg“ noch bis Dienstag, 30. Juni 2026, im Foyer des Würzburger Rathauses besuchen. Anschließend zieht sie um ins Gunzerthaus in Mwanza. Das Besondere an der Ausstellung: Sie ist in drei Sprachen erlebbar, in Kisuaheli, in Englisch und in Deutsch.
Ausstellung porträtiert junge Forschende
Die Schautafeln zeigen unter anderem die Geschichten von elf jungen Forschenden, neun aus Würzburg und zwei von der Universität Mwanza. Studierende beider Universitäten interviewten dafür die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen des Seminars „Perspektiven innovativer Wissenschaftskommunikation“ von Dr. Sarah Schönbrodt-Stitt vom Würzburger Lehrstuhl für Fernerkundung.
Eine porträtierte Forscherin ist Dr. Kim Lea Holzmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin am JMU-Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie. Sie war positiv überrascht, wie breit das Themenspektrum des Interviews angelegt war: „Angefangen mit der Wissenschaft ging es danach um meine Hobbies, Würzburg, meine Karriere, bis hin zu Details wie Lieblingsorte in der Stadt, Lieblingsessen und Musik“, zählt sie auf.
Schönbrodt-Stitt betonte in ihrer Ausstellungseinführung zur Vernissage, dass das Projekt „Wissenschaft über Menschen zugänglich machen“ solle. Damit verbunden ist die Frage, was die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bewegt. Kim Lea Holzmanns Motivation liegt darin, ihre Forschung zu Klimawandel und Biodiversitätsverlusten auch in die Gesellschaft zu tragen: „Es bringt wenig, wenn wir nur wissenschaftliche Paper schreiben. Unsere Themen müssen an die breite Öffentlichkeit.“
Wie Mwanza und Würzburg klingen
Sandro Schiepan studiert Museologie und ist an der Ausstellung beteiligt. Gemeinsam mit einem Kommilitonen stellte er Elio Rauth vom JMU-Lehrstuhl für Fernerkundung vor. Sandro widmete sich zudem einer anderen Frage: „Wie klingt die gleiche oder eine ähnliche Umgebung in den Partnerstädten?“
Dafür sammelten die Studierenden Klänge aus beiden Städten: das Wasserrauschen am Viktoriasee, die Strömung des Mains. Der Fischmarkt in Mwanza, der Grüne Markt auf dem Marktplatz in Würzburg. Eine Straßenszene in Tansania, die Würzburger Straßenbahn. Per QR-Code können Interessierte die Klanglandschaften selbst vergleichen.
Für die Klänge der tansanischen Stadt erhielt Sandro Unterstützung: „Ich tauschte mich mit einem Studenten aus Mwanza regelmäßig aus und entwickelte mit ihm das Konzept.“ Mitglieder des Vereins M.W.A.N.Z.A Würzburg nahmen zudem Klänge für Sandros Projekt auf, während sie auf einem Ausflug in der namengebenden Stadt waren.
Was die Ausstellung bietet
Weitere Tafeln und Exponate zeigen unerwartete Gemeinsamkeiten der Partnerstädte: Mit Störchen verbinden beide etwas Positives. Zählen die Vögel in Deutschland als Zeichen für baldigen Familiennachwuchs, stehen sie in Tansania für eine erfolgreiche Ernte.
Auch der Alltag zeigt Ähnlichkeiten: Trinken die Würzburgerinnen und Würzburger nach dem Feierabend ab und zu einen Wein auf der Alten Mainbrücke, genießen die Leute in Mwanza ein Bier der Marke Kilimanjaro. Ausgestellt ist zudem ein Briefwechsel zwischen zwei Schulklassen, Eindrücke vom Buhongwa-Nachtmarkt und kulinarische Besonderheiten Mwanzas.
Zum Afrika-Kompetenzzentrum
Das Afrika-Kompetenzzentrum der Uni Würzburg ist ein Zusammenschluss von Forschenden, die seit vielen Jahren eng mit Partnerinnen und Partnern in Afrika zusammenarbeiten. Das Zentrum hat sich zum Ziel gesetzt, Forschung und Kooperationen zu bündeln, miteinander zu vernetzen und sie der Öffentlichkeit in Veranstaltungen bekannt zu machen.
JMU-Forschende des Afrika-Kompetenzzentrums, die an der Ausstellung beteiligt waren, sind: Guido Fackler, Professor für Museologie, Dr. Sarah Schönbrodt-Stitt und Dr. Michael Thiel, beide vom Lehrstuhl für Fernerkundung. Von der Universität Mwanza engagierte sich die Tourismusforscherin Dr. Delphine Kessy.
Weitere Infos zum Afrika-Kompetenzzentrum
JMU-Fördertopf für Wissenschaftskommunikation
Finanzielle Unterstützung erhielt die Ausstellung aus dem JMU-Fördertopf für Wissenschaftskommunikation. Dieser wurde von der JMU-Stabsstelle für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ins Leben gerufen. Aus dem Fördertopf können Forschende, die innovative Kommunikationsformate planen, bis zu 1.000 Euro für die Durchführung ihres Projekts erhalten.
Weitere Informationen zur Bewerbung gibt es hier.
