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    Schlaganfall: Einblick in seine Entstehung

    04.02.2009

    Der Schlaganfall ist eine Volkskrankheit. Nun sind Würzburger Wissenschaftler einem bislang unbekannten Entstehungsmechanismus auf der Spur: Sie konnten zeigen, dass Mäuse vor Schlaganfall geschützt sind, wenn bei ihnen ein bestimmtes Blut-Eiweiß ausgeschaltet ist. Das berichten sie in BLOOD.

    Diagramm

    Die roten Flächen mit gesundem Gehirngewebe zeigen es: Genetisch veränderte Mäuse ohne von Willebrand Faktor (vWF) entwickeln kleinere Schlaganfälle (Mitte) als normale Mäuse (links). Gibt man Mäusen mit vWF-Mangel von außen vWF zu, so fallen die beim Schlaganfall zerstörten Areale – weiß markiert – wieder größer aus (rechts). Das Balkendiagramm unten zeigt die statistische Auswertung der Schwere der Anfälle. Abbildung: Aus: Kleinschnitz et al., Blood 2009, DOI 10.1182/blood-2008-09-180695.

    Die Forscher hoffen, dass ihre Erkenntnisse über diesen Entstehungsmechanismus zukünftig auch zu einer verbesserten Therapie beim Menschen führen werden. Konkret konnte die Arbeitsgruppe um Guido Stoll und Christoph Kleinschnitz (Neurologische Universitätsklinik) zusammen mit Bernhard Nieswandt vom Rudolf-Virchow Zentrum und Kollegen von der Universität Leuven nachweisen, dass Mäuse mit einem genetischen Defekt eines bestimmten Blut-Eiweißes, dem sogenannten von Willebrand Faktor, zum einen kleinere Schlaganfälle erleiden. Zum anderen entwickeln sie weniger neurologische Ausfallerscheinungen wie zum Beispiel Lähmungen, wenn sich ihre Gehirnarterien verschließen.

    Eiweiß lässt Blutpfropfen entstehen

    Der von Willebrand Faktor wird unter anderem von Blutgefäßen gebildet, zirkuliert in der Blutbahn und bildet bei Verletzungen eine Art Netz zwischen den Blutplättchen und der Gefäßwand. Dadurch trägt er ganz wesentlich zur Blutstillung bei. Im Rahmen von Schlaganfällen führt er jedoch offensichtlich zu einer überschießenden und ungewünschten Bildung von Blutpfropfen, die die Gefäße verschließen. Menschen mit einem schweren erblichen Mangel an von Willebrand Faktor neigen zum Teil zu vermehrten Blutungen.

    Weitere Untersuchungen nötig

    „Überraschenderweise fand sich jedoch in den von uns untersuchten Mäusen ohne von Willebrand Faktor keine erhöhte Blutungsgefahr nach Schlaganfällen", berichtet Christoph Kleinschnitz. Bereits 2007 konnten die Forscher zeigen, dass die Blockade des Eiweißes GPIb, welches auf Blutplättchen vorkommt, Mäuse vor Schlaganfällen schützt (Kleinschnitz et al., CIRCULATION 2007). Da der von Willebrand Faktor der wichtigste Bindungspartner von GPIb ist, unterstreichen die aktuellen Ergebnisse nun die besondere Bedeutung dieses Aktivierungswegs für die Schlaganfallentstehung. Jetzt wollen die Wissenschaftler weiter prüfen, ob sich die Befunde langfristig auch auf den Menschen übertragen lassen. Bis es soweit ist, seien jedoch noch eine ganze Reihe weiterer Untersuchungen notwendig, sagt der Neurologe Guido Stoll.

    Projekt im Sonderforschungsbereich SFB 688

    Die Ergebnisse sind im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Sonderforschungsbereiches SFB 688 entstanden und am 30. Januar in der Online-Ausgabe von BLOOD erschienen, dem Journal der Amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie.

    „Deficiency of von Willebrand factor protects mice from ischemic stroke“, Christoph Kleinschnitz, Simon F. De Meyer, Tobias Schwarz, Madeleine Austinat, Karen Vanhoorelbeke, Bernhard Nieswandt, Hans Deckmyn, and Guido Stoll; Blood 2009; DOI 10.1182/blood-2008-09-180695. Online publiziert am 30. Januar 2009

    Weitere Informationen: Priv. – Doz. Dr. Christoph Kleinschnitz, T (0931) 201-23765, E-Mail: christoph.kleinschnitz@uni-wuerzburg.de

    Von Margarete Pauli

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